"The Watcher" ist das perfekte Beispiel dafür, wie es aussieht, wenn man subtilen Meisterhorror schaffen will und im Endeffekt dabei nur zäher Käse herauskommt.
Selten lagen Anspruch und Wirklichkeit so weit auseinander wie bei diesem Möchtegern-Huntingthriller. Und gerade dieses Faktum ist es, das vermeintliche Großproduktionen (diesen Begriff verwende ich hier als Gegenbegriff zu absoluten Amateurproduktionen) in die tiefsten Regionen der qualitativen Dimension befördert. Wenn man sich nämlich nicht allzu ernst nimmt, kann man mit einem etwas größeren Budget ganz locker zumindest einen mittelmäßigen Unterhaltungsfilm machen, der immerhin auf oberflächliche Art und Weise zu unterhalten weiß. Intendiert man hingegen ein düsteres Meisterwerk im Stil von "Sieben", dann sollte man unbedingt Finchersche Fähigkeiten mitbringen. Ansonsten passiert eben ein solches Gewurschtel wie beim vorliegenden Film: man steht als Beteiligter da wie ein Angeber, der vorgibt ein Meister seines Faches zu sein und sich dabei bis auf die Knochen blamiert, weil das Gezeigte alles andere als meisterlich ist.
Bester Beweis: DIE Fehlbesetzung des Jahrhunderts, Keanu Reeves als psychedelischer Serienkiller David Allen Griffin. Reeves war schon immer so ein Schauspieler mit einer vorgefertigten Form, die nur auf zwei, drei Filmprojekte zu passen schien und in allen anderen kläglich scheiterte. Tja, hier passt überhaupt nix.
Dabei fängt das Ganze in der ersten Einstellung gar nicht mal so schlecht an. Die spontane Tanzeinlage ist eine interessante und gelungene Demonstration des Wahnsinns von Killer Griffin. Man fühlt sich unweigerlich erinnert an Michael Madsen und seine Schritte zu "Stuck in the middle with you". Aber dann gibts irgendwann die unvermeidliche Nahaufnahme von Reeves` Gesicht, und schon ist der Film verloren. In seinem Bestreben, die Durchgeknalltheit seines Charakters durch ein sanftes Lächeln auszustrahlen, was in seiner Grundkonzeption ja gar nicht mal eine so schlechte Idee ist, fühlt man sich als Zuschauer gar peinlich berührt und würde in Anbetracht des kläglichen Scheiterns seiner Schauspielperformance am liebsten sofort abschalten. Ja, fast hat man schon Mitleid mit Reeves, würde man ihm doch als Mensch etwas Besseres wünschen.
Dieser Umstand wäre ja halb so schlimm, wenn nicht der gesamte Film auf seinen Charakter ausgerichtet wäre. Aber so muss der Film schon alleine wegen der Rolle des Serienkillers vier oder fünf Punkte Abzug bekommen.
Aber auch der Rest des Filmes suhlt sich nicht gerade in Einfallsreichtum. Um noch gleich die restlichen Protagonisten abzuhandeln: James Spader gibt sozusagen eine Parabel auf seine eigene Karriere zum Besten, wenn er den abgehalfterten Cop spielt, der sich aufrafft und der Polizei hilft, weil ihn eine gemeinsame Vergangenheit mit dem Killer verbindet. Spader präsentiert seinen FBI-Agent Joel Campbell als farblose Mischung aus John McClane und Jack Bauer. Die Niedergeschlagenheit nimmt man ihm in keiner Sekunde ab, genausowenig wie emotionale Szenen. Nicht ganz so eine Pleite wie Reeves, aber trotzdem noch so schwer erträglich wie eine mittelschwere Zahnwurzelbehandlung.
Und die Dritte im Bunde ist Marisa Tomei. Sie spielt solide, aber zu solide, so dass sie im grauen Sumpf der Langeweile verloren geht. Ihre Figur geht dem Zuschauer wie der Rest des Cast überhaupt nicht zu Herzen. Ich weiß auch nicht, aber bei diesem Streifen fühle ich mich immer an das neutrale Volk aus "Futurama" erinnert.
Und als wäre das noch nicht genug, reiht sich der Inszenierungsstil gnadenlos ins Glied der Schlafmittel ein. So etwas Unspektakuläres - und man beachte, hier geht es um einen Hunting-Thriller - habe ich noch selten gesehen. Zwischendurch werden schonmal Flashback-Sequenzen aus der Sicht des Killers eingestreut, die mit bildverfremdender Optik leicht aus dem grauen Sumpf herausstechen, aber das macht den Kohl auch nicht fett.
Die Story (übrigens: wen wundert`s, aber in gerade diesem Moment musste ich gähnen) als solche ist gar nicht mal sooo schlecht; sie wird es erst dadurch, dass sie zum x-ten mal aufgerollt wird. Mal ehrlich: das will doch keiner mehr sehen, zumindest nicht in der Form. Immerhin konnte das Bonusmaterial der DVD hierdurch mit zahlreichen Goofs aufgestockt werden.
Zum Ende hin wird`s nochmal ein Stück besser und erreicht immerhin ein 4-Punkte-Niveau. Der Zuschauer wird aber bis dahin unter Umständen schon eingeschlafen sein oder verärgert abgeschaltet haben.
Die DVD-Beschreibung "Nervenaufreibende Mischung aus Horrorschocker und Psychothriller im Stil von "Sieben"!" ist glatt gelogen und eine Beleidigung für Finchers Genrereferenz. Besonders traurig ist die fehlende Selbstironie und die übertriebene Ernsthaftigkeit, mit der man hier zu Werke ging. Zusammengemixt mit der langweiligen Inszenierung ist das ein tödlicher Cocktail.
Now I Lay Me Down To Sleep
Pray The Lord My Soul To Keep.
2/10