Review

Und wieder ein Serienkiller-Thriller mit der kleinen, aber feinen Besonderheit, dass man den Täter hier von Beginn an kennt und ihn quasi bei seiner Arbeit begleitet. Dazu kommt noch, dass er von Keanu Reeves, der damit vielleicht von seinem Saubermann Image wegkommen wollte, gespielt wird und somit öfter als einmal gewisse Sympathien beim Zuschauer erweckt.
Den Gegenpol bietet ein heruntergekommener, Beruhigungsmittel-abhängiger Ex-FBI Agent, dessen Leben auf tragische Weise mit dem des Serienmörders verknüpft ist und der sich, vor der eigenen Vergangenheit flüchtend, in Chicago versteckt.
Doch bald häufen sich auch dort die ermordeten Frauen und er geht ein perfides Spiel mit dem Killer ein, nur um langsam zu merken, dass er genauso von dem Mörder abhängig ist wie dieser von ihm.
Was nach einem unter die Haut gehenden Psycho-Thriller klingt, ist aber leider nur ein recht konventioneller Thriller aus der Retorte, was nicht einmal so sehr an dem Drehbuch, als viel mehr an den beiden blassen, charakterlosen Hauptdarstellern liegt.
Keanu Reeves als Serienkiller? Er, der selbst den Good Guy eher schlecht als recht spielt und in Matrix immer mit den selben Gesichtsausdruck herumlief, zeigt hier nun endgültig, dass er alles andere als ein Charakterdarsteller ist.
Seine dunkle Seite wird einzig allein durch die Tatsache, dass er Morde begeht gezeigt, ansonsten läuft er immer fröhlich grinsend und höflich grüßend durch die Gegend und der Zuschauer fragt sich die ganze Zeit, wieso so ein netter Mensch ohne jegliche negative Seite so viele Morde begeht. Leider bleibt einem der Film die Antwort schuldig, scheinbar erwarteten die Drehbuchschreiber einen Darsteller ala Anthony Hopkins...
Den Vogel schießt aber der Hauptdarsteller James Spader ab. Mit einem viel zu jungen Lifestyle Gesicht will er uns nur durch das ständige Schlucken von Tabletten weiß machen, dass er ein gebrochener, vom Leben gezeichneter Mann ist. Selten so gelacht. Zu keiner Sekunde nimmt man ihn ab, dass er wirklich vor den Trümmern seines Daseins steht, im Gegenteil, er kommt entweder ziemlich lächerlich oder manchmal sogar richtig glücklich rüber.
Als Darsteller hätte er vielleicht in eine Soap gepasst, aber nicht hierher.
Ansonsten hebt sich der Film kaum von seinen Konkurrenten ab, die Musik von Marco Beltrami weiß zwar zu gefallen, ist aber etwas zu einfallslos, um da noch wirklich was zu reißen. Die Inszenierung ist relativ außergewöhnlich, wirkt aber stellenweise zu sehr auf „cool“ getrimmt und kann so nie wirkliche Spannung erzeugen.
Trotzdem, unterhalten wird man auf alle Fälle, bloß mit zwei ordentlichen Hauptdarstellern hätte der Film wirklich etwas Großes (okay: Größeres) werden können. So wurde das Hauptziel eines Thrillers, nämlich Spannung, leider verfehlt.

5/10

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