Review

Schöner Sondermüll

Unfassbar und erschüttert steht man da, wenn man bei „Schneemann“ Potenzial und Ergebnis gegenüberstellt. Ein kompetenter Regisseur (immerhin der „Vater“ eines der besten Vampirfilme des aktuellen Jahrtausends), gnadenlos viele sensationelle Schauspieler an Bord, zudem eine (zurecht) beliebte Krimireihe als Vorlage und genug Budget für drei Filme. Sogar Martin Scorsese (!) als (Executive) Produzent. Genützt hat das alles nichts - „The Snowman“ ist einer der miesesten Thriller der jüngeren Hollywoodgeschichte und ein Desaster auf so ziemlich jeder Ebene. Abgesehen von der Kamera (Norwegen ist wunderhübsch!) und den meisten Darstellern (Val Kilmer, der meint er sei Brando in Spätform, mal ausgenommen). Handlung: Kommissar Harry Hole muss in Oslo einer grausamen Mordserie hinterherjagen, bei der der Killer ein Faible für Schneemänner ebenso wie für alleinstehende Mütter zu haben scheint...

Zu sagen, hier ist alles schief gegangen, ist für eine Kritik zu billig. Aber das wäre wohl der einfachste Weg. Denn um die vielen Missstände und Ärgernisse alle aufzuzählen, bräuchte man mehrere Kapitel, fast schon Bücher. Das Ding fühlt sich an, wie ein großer Fehlschlag, chaotisch und wirr, leer und traurig, grau und führungslos. Als ob hier schon hinter den Kulissen ala „Fant4Stic“ oder anderen Katastrophenproduktionen einiges im Argen lag. Die Produktionsgeschichte ist wohl interessanter als der Film selbst... Die eisigen, hochwertig gefilmten Landschaften und die zumindest bemühten Stars können diesen schmerzhaften Gefriebrand nicht mehr retten. Der Schnitt und die Erzählweise sind dilettantisch und vollkommen bescheuert, die eigentliche Geschichte ist leider unteres Kriminiveau, die meiste Zeit herrscht frostige Langeweile, die Laufzeit ist viel zu ambitioniert und der Mörder bleibt nicht nur lange Zeit gesichtslos, sondern die komplette Zeit charakterlos und austauschbar. Seine Backstory ist ein schlechter Witz. Insgesamt kamen mir zwei Stunden selten länger vor. Das zieht sich, das ist so dermaßen selbstverliebt und ereignislos, löchrig und daneben, seelenlos und verloren. „Schneemann“ kann man aus Neugier gucken, um mal zu sehen, wie es aussieht, wenn eine enorm teure Hollywoodproduktion total verkackt wird. Aber selbst dann braucht man ein dickes Fell und viel Sitzfleisch. What a snowy Shitfest!

Fazit: eine einzige, inkohärente Katastrophe und so mit die größte Talentverschwendung der letzten Jahre. Ein eiskalter Absturz. Mysteriös mies. Sehenswert, allein um zu glauben, wieviel hier schief geht. Trotz der enorm guten Vorraussetzungen wie der Besetzung, dem Budget oder den Büchern. Ein kleines Wunder. Im negativen Sinne. Leider. 

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