Die 1980er waren die goldenen Jahre des Slasherfilms, angespornt durch den Initialerfolg von „Halloween“ und kassenträchtige Nachzügler wie „Freitag, der 13te“. „Slaughter High“ konnte anno 1986 immerhin noch einen markigen Titel aufbieten, das Setting Schule war allerdings schon reichlich beackert und den entsprechenden Feiertag hatte sich bereits „April Fool’s Day“ als Titel gesichert.
Wobei die Behandlung von Marty Rantzen (Simon Scuddamore) mit der Betitelung Aprilscherz eh verharmlosend umschrieben wird. Denn die attraktive Carol (Caroline Munro) lockt den Strebernerd nicht nur mit dem Versprechen auf Sex in die Damenumkleide, um ihn unbekleidet zu blamieren; sie und ihre Freunde filmen ihn dabei, piesacken ihn mit einem Speer und setzen ihn unter Strom, weshalb die Bezeichnung Mobbing wohl passender als Aprilscherz ist. Allerdings wird die Jock-Crew vom Sportlehrer erwischt, frei nach „Carrie“ gibt es Straftraining, aber Martys Pein ist immer noch nicht vorbei: Mit einem Trick schleicht sich Skip (Carmine Iannaccone) heraus und manipuliert Martys Experiment im Chemielabor, was in Verbindung mit einer wackelig platzierten Säureflasche zu einem Großbrand und der völligen Entstellung Martys führt.
Nach dieser rund 20 Minuten langen Einführung springt „Slaughter High“ zehn Jahre in die Zukunft. Carol ist inzwischen erfolgreiche Schauspielerin und wird zum zehnjährigen Klassentreffen eingeladen. Auf dem Weg trifft sie ihre alte Clique wieder, die immer noch genauso arschig ist wie zu Schulzeiten. Allerdings scheinen sie einzigen zu sein, die zur Feier im stillgelegten Schulgebäude eingeladen wurden. Um zur Party zu kommen, müssen sie freilich einbrechen, was für jeden halbwegs intelligenten Menschen schon mal Grund zum Grübeln wäre, aber nachdem sie drinnen ein Buffet vorfinden, denken sie sich nichts weiter dabei (hier hat der Plan des Mörders schon seine erste empfindliche Schwäche, aber mit Logik hat „Slaughter High“ es eh nicht so).
Jedenfalls feiert die Clique fröhlich vom 31. März auf den 1. April – bis es schon um kurz nach 0 Uhr das erste Todesopfer gibt. Doch das ist nicht die einzige ungute Überraschung: Jemand hat das Gebäude fest verrammelt und macht in einer Harlekinmaske Jagd auf die in der Schule Gefangenen…
Es wäre falsch „Slaughter High“ große Ambitionen zu unterstellen, die über eine Orgie mehr oder weniger kreativer Kills hinausgeht. So wurde eine lange Verfolgungsjagd gegen Ende vor allem in der Form gedreht, da den drei Regisseuren und Drehbuchautoren auffiel, dass sie andernfalls nur ca. 75 Minuten Film hätten, aber auf 90 kommen wollten. Noch dazu gibt es hier keine Figuren, sondern nur grob überzeichnete Abziehbilder, die allesamt Arschgeigen saufen: Auch zehn Jahre nach dem Abschluss wird bei der Feier nicht nur fleißig gesoffen, gekifft und gekokst, sondern inmitten von Massenmord denken ein Typ und eine Tussi nach daran den Ehemann der Dame zu betrügen. Wirkliche Reue zeigen sie nicht, sondern reden sich lieber ein, dass die Gerüchte wohl schon stimmen werden, dass Marty a) hervorragende Chirurgie zur Gesichtsrettung bekam und b) irgendwo glücklich in einem tollen Job ist.
Weniger verwunderlich stimmen weder a) noch b), denn der verbrühte Marty steckt unter der Harlekinmaske und killt seine einstigen Peiniger, auch wenn der Film ihn erst gegen Ende als Killer enthüllt. Dies wundert kaum, denn wirklich Alternativen in Sachen Mörder hat „Slaughter High“ eh nicht parat, zumal die Opfer oft mit jenen Methoden gequält und getötet werden, mit denen sie Marty dereinst piesackten. Daher hätte die einzige andere Option darin bestanden in den Schlussminuten noch einen neuen Täter aus dem Hut zu zaubern und das wäre selbst „Slaughter High“ zu blöd gewesen.
Dabei ist dem Film sonst wenig zu blöd, gerade was Logik und Figurenverhalten angeht. Mag man die Party nach dem Einbruch und dem seltsamen Einladeschema, das sogar den potentiellen Opfern auffällt, vielleicht noch mit suspension of disbelief irgendwie entschuldigen können, doch danach hauen so einige Klopper dem Fass den Boden aus. Nicht nur trennt man sich andauernd, manche haben noch inmitten des Gemetzels Lust auf Sex. Und wenn einer einen Rasenmähtrecker repariert, dann stellt der Rest der Clique keinen Bewacher ab – mit erwartbarem Ergebnis für den Kerl, der unter den scharfen Klingen des Vehikels rumfuhrwerkt. Der absolute Oberknaller ist aber jene Evolutionsbremse, die nach dem Mord an einem Freund mit dessen Blut bespritzt ist und es für das Wichtigste hält sich von den anderen zu entfernen, sich komplett zu entkleiden und baden zu gehen, damit sie das Blut runterwaschen kann. Auch nicht schlecht: Die Clique hat den irrigen Gedanken, dass sie nur bis zum Ende des April Fool’s Day um 12 Uhr mittags durchhalten muss, damit Marty sie nicht mehr verfolgt.
So sind die Figuren also allesamt doofe Arschkrampen, selbst Marty ist mit seinem dermaßen überspitzt dargestellten Außenseitertum und seiner himmelschreienden Naivität, mit der er Carol zum vermeintlichen Schäferstündchen folgt, eine ziemliche wurstige Karikatur, sodass man weder Killer noch Opfer ernst nehmen, geschweige denn mit ihnen sympathisieren kann. Noch dazu werden sie fast durch die Bank weg von einer Horde Minderbegabter dargestellt, die meist aufgrund ihrer limitieren Fähigkeiten nicht viele Rollen bekamen (im Falle von Simon Scuddamore dagegen war es ein Suizid, der dafür sorgte, dass dies seine einzige Rolle blieb). Einzig und allein Caroline Munro hat da noch etwas mehr darstellerische Qualitäten zu bieten, aber auch die sind limitiert und leiden darunter, dass ihre Carol sich auch nicht wirklich als geläuterte Scream Queen erweist.
Allerdings liegt darin wiederum auch ein gewisser Reiz von „Slaughter High“: Dieser Bande sieht man gern beim Sterben zu. Und in der Hinsicht blüht der Film zu kreativen Höchstleistungen auf. Natürlich hat man das Standardprogramm mit Erstechen, Erhängen und einer ausgesprochen graphisch ins Gesicht gehauenen Axt, aber dazu kommen noch wahrhaft einfallsreiche Todesarten: Ein Bier mit Säureanteil, eine ebenfalls mit Säure manipulierte Wasserleitung und ein Paar, das der Killer via Stromschlag beim Poppen röstet. Und selbst in den weniger expliziten Szenen ist „Slaughter High“ von einer ziemlichen Härte und einem gewissen Sadismus beseelt: Ein Opfer wird vom Killer wieder und wieder in die Jauchegrube zurückgedrückt, aus der sie gerade entkommen will. Manchmal mag Martys Plan allzu konstruiert sein und vollkommen unglaubwürdig einschätzen wer wann was trinkt usw., aber die Kills sind schon stimmig umgesetzt, ähnlich wie die Jagd- und Belauerszenen, weshalb „Slaughter High“ auf handwerklicher Ebene durchaus kompetent gemacht ist, mit Ausnahme des Drehbuchhandwerks. Das hat zum Finale noch einen etwas bananigen Twist parat, der immerhin noch für ein paar Schockeffekte und die Andeutung einer Fortsetzung, die nie kam, gut ist.
So muss man am Ende feststellen: „Slaughter High“ ist oft unglaubwürdig und phasenweise sackdoof, die potentiellen Opfer allesamt Arschgeigen und der Killer auch nicht vom Kultkaliber eines Freddy, aber auf handwerklicher Ebene bedient das Ganze die (niederen) Unterhaltungsinstinkte schon ganz gut. Es wird hart und einfallsreich geslasht, Verfolgungs- und Versteckszenen treiben den Puls durchaus nach oben und das verlassene Schulgebäude mag kein origineller Schauplatz sein, wird aber stimmig abgelichtet. Kein vergessener Klassiker, aber durchaus brauchbare B-Unterhaltung, trotz aller Blödheit.