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Die 15jährige Mia (Luna Wedler) kommt mitten im Schuljahr in eine neue Klasse und versucht direkt, mit der beliebtesten, „stylishsten“ Mädchengruppe um Gianna (Zoe Pastelle Holthuizen) Kontakt aufzunehmen. Mia versteht sich mit ihren Eltern nur sehr mittelmäßig, v.a. mit ihrer Mutter gerät sie häufig aneinander. Man könnte nun sagen: typisch Teenager und dann hat sie auch noch ihre erste Periode, aber nicht nur mental verändert sich Mia, sondern auch körperlich…immer verstörender sind da ihre Veränderungen…


Der zweite Film der schweizerischen Regisseurin und Darstellerin Lisa Brühlmann ist ein…nun ja… ungewöhnliches Coming-of-Age-Drama. Diese gibt es ja wie Sand am Meer, aber „Blue My Mind“, gedreht 2017 in und um Zürich, ist ein besonderes Exemplar. Nicht nur, dass Mia nicht unbedingt der liebenswerteste, sympathischste Charakter ist, sondern Brühlmann verbindet die klassischen Motive des Heranwachsens (Alkohol, Drogen, Sex, körperliche Veränderungen…also eigentliche relativ typische Teenager-Phänomene) mit der Studie einer profunden seelischen und körperlichen Veränderung, die auch schon für extrem gefestigte Menschen eine gewaltige Herausforderung wären. Mia schafft zwar den Anschluss an die Clique der tussigen Gianna, aber doch im entscheidenden Moment bleibt sie zwangsweise allein. Ihre Eltern sind völlig überfordert von ihrer Entwicklung und pendeln zwischen hilflosen Verständnisversuchen und sinnlosen Verboten. Und immer wieder äußert Mia den Verdacht, dass es gar nicht ihre Eltern seien…ein Verdacht, der gar nicht so abwegig ist.


Brühlmann definiert Mia auch nicht über irgendwelche tollen männlichen Mitschüler… die sind halt da für den ersten Sex. Basta.

Pubertät verändert Menschen dramatisch…innerlich und äußerlich. Aber was Mia durchmachen muss, lässt „Blue My Mind“ in einer Richtung schlagen, die mehr an „Der Nachtmahr“, „Raw“ oder Filme von David Cronenberg denken lässt. Dabei ist der Film nie wertend und trotz ihrer Bockigkeit und Irrationalität schafft es Brühlmann, viel Sympathien für ihre Protagonistin zu wecken. Das liegt natürlich zu einem Großteil an der wunderbaren Luna Wedler, die einfach umwerfend spielt. Inzwischen wurde sie diesen Februar auf der Berlinale als ein europäischer Shootingstar ausgezeichnet – völlig zu Recht, ich hoffe nur, dass ihre Karriere nicht in deutschen Vorabendserien und Krimis endet, sondern in europäischen Kinofilmen. Dieses Potenzial hat sie locker.


„Blue My Mind“ ist ein merkwürdiger Film. Im positivsten Sinn, denn man „merkt“ ihn sich, er ist sozusagen, würdig, gemerkt zu werden. Aber auch eine Herausforderung, die manche am Ende sicher zu sehr irritieren wird. Mir hab mich gern irritieren lassen.


7,5/10.

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