Review

Aus den frühen Jahren des aufkeimenden Eurowesterns stammt „Frauen, die durch die Hölle gehen“, der bis auf seinen martialistischen Titel eigentlich nichts anzubieten hat, was den passionierten Genrefan zum Konsum zwingt.
Zwar streiten sich laut diverser Quellen gleich drei Filmemacher um den Regie-Credit und viele Köche verderben bekanntlich den Brei, aber die sind nicht der alleinige Grund, warum dieser filmische Beitrag so fad und abgeschmackt daherkommt. Dass das Genre sich erst in einer frühen Selbstfindungsphase steckte, wird hier jedenfalls sehr offensichtlich.

Der Querschnitt durch die Planwagen eines Tracks, aus dem sich bald eine Handvoll Frauen herauskristallisieren soll, verheißt bereits wenig Gutes, denn diese angehenden Bräute und Mütter sind ihrer Klischeehaftigkeit wohl direkt dem gern dick auftragenden U.S. – Western entsprungen und geben die Zielrichtung des weiteren Films leider vor. Denn sie sind es, die bald die Hauptfiguren stellen, als eine Horde Indianer die gesamte Reisegruppe nebst Eskorte in einem dilettantisch inszenierten, oft furchtbar gestellt und unecht wirkenden Angriff aufreibt, wobei der Regisseur hier nicht einmal drum herum kommt, einige Szenen doppelt einzusetzen und das fällt dazu noch deutlich auf.
Die Goofs nehmen kein Ende (z.B. keine Indianer unter den Leichen), Pathos wird besonders in den sich anschließenden Sterbemomenten und Heulszenarien groß geschrieben und über allem schwebt noch das Damoklesschwert, sich für den Rest des Films mit dieser femininen Hühnerschar beschäftigen zu müssen, für deren Schicksal man eigentlich nie etwas übrig hat und mit denen sich der Film auch nur so oberflächlich wie nötig auseinandersetzt. So soll es dann auch kommen...

Marginal mit Waffen bestückt, nimmt die knapp überlebende Frauentruppe, teils hysterisch und apathisch, flugs Abschied von den Toten Mitreisenden und macht sich zum sicheren Ford auf, obwohl sie nur die ungefähre Himmelsrichtung kennen (!).
So exotisch die Prämisse für einen Western auch ist, „Frauen, die durch die Hölle gehen“ versagt mustergültig in jeder Beziehung. Inmitten oberflächlicher Dialoge über Kummer, Schmerz und Zuversicht, werden Durchhalteparolen ausgegeben und schon bald kein Gedanke mehr an das drohende Schicksal oder das gerade Geschehene verschwendet. Die üblichen Stereotypen, inklusiver einer Anführerin, heben sich nicht heraus, während die anderen wenigstens zum Teil eine Chance zur Profilierung erhalten. Ihre Szenen sind dann aber von grobem Unfug geprägt. Wenn eine Frau, die einst eine Beziehung mit einem Kunstschützen hatte, es plötzlich schafft zwei Kaninchen mit einem Schuss zu erlegen, kann man nur noch mit dem Kopf schütteln, zumal mir dann auch gleich noch jemand erklären müsste, wie das Tier gehäutet und gebraten wurde?

Auf diesem Niveau geht es leider weiter. Kaum zu glauben aber wahr, dass sich für diesen Bockmist mit Anne Baxter sogar eine Oscar-Preisträgerin hergab. Na ja, Ruhm ist eben vergänglich.
Die regelmäßigen Übergriffe eines ungehorsamen Indianer, der den Worten seines Häuptlings, die Frauen gefälligst in Frieden zu lassen, nicht folgt, und deswegen ein ums andere Mal diese belästigen wird, fördern genauso wenig Spannung zutage, wie der Retter in der Not erst richtig Bezug zur Handlung zum Schluss nimmt. Aber da klatscht man dann auch schon die Hand an die Stirn, wenn man mit ansehen muss, wie er mit seiner kleinen Reiterschar plötzlich in zwei Pulks Indianer blindlings hineinreitet. Gevatter Zufall hilft schon...
Da wundert man sich in der brav abgehakten Aufgabenstellung schon gar nicht mehr, wenn die Frauen ihre Unterröcke zu Seilen zusammenknüpfen, um Abhänge zu erklimmen oder Fallen basteln, damit sich die fiesen Indianer nachts anschleichen und auf ihre abgelegten Kleider stürzen.

Überhaupt verhält sich dieser selten pfiffige Frauentross so weltfremd und in mancherlei Hinsicht verzogen, dass man sie dort in der Wüste sitzen lassen möchte. Wahrlich nicht das Gefühl, dass der Film seinem Zuschauer geben will, doch Mitgefühl streichen die Überlebenskämpferinnen keines ein. Dafür sind sie zu naiv, bisweilen doof und von Klischees bedeckt.
Höhepunkt des Quatsches ist dann der Überfall eines Indianerstamms, den sie komplett in einem Streich überwältigen, um mit einem Planwagen die Flucht Richtung Fort anzutreten.

Selbst den Genrefans wird letztlich „Frauen, die durch die Hölle gehen“ kaum Spaß bereiten, was natürlich auch der einfältigen, unattraktiven Inszenierung, die so gar kein Auge für Landschaften hat und nicht in der Lage ist, den Kampf der Frauenzimmer auf Leben und Tod fesselnd in Szene zu setzen, liegt.
Ab der ersten Minute dominiert ein ermüdender Grundton in kaum glaubwürdigen Situationen, die noch absurder werden, wenn das Drehbuch sich Unerklärliches einfach spart. Den Darstellern wird währenddessen auch keine Chance gelassen, in ihren streng nach bekannten Klischees konzipierten Egos zumindest vorübergehend aufzublühen. Spätestens, wenn ihnen verfrüht Beziehungspläne im Kopf herumspuken, haben sie das Publikum endgültig verloren.

Die Ladung Gewehre, die einen nicht unwesentlichen Teil überhaupt zum Überfall der Indianer beitrug, verkommt früh zu einem McGuffin und wird auch erst wieder zum Schluss so richtig wahrgenommen, als der Kuchen ohnehin schon gegessen ist, reicht dann aber noch einmal als Grund aus, um den Häuptling letzte, markig gemeinte Worte auf die Zunge zu legen.


Fazit:
Wirklich nicht zu empfehlender, strukturschwacher Euro-Western, der ohne Aussagekraft lustlos sein weibliches Survival-Szenario herunterspult und sich nebenher an heilender Pädagogik (u.a. muss auch das verzogene Frauenzimmer seinen Teil zum Überleben beitragen...) versucht. Extrem trocken und ohne attraktive Schauwerte umgesetzt, kämpft sich der Zuschauer mühevoll durch die blassen Minuten in Richtung Ende, wo dann auch nichts Besonderes wartet. Aber wer hat daran schon geglaubt?! Von Dramaturgie keine Spur, ein Stil des Regisseurs bleibt verborgen und von einem Spannungsbogen scheint hier auch niemand etwas gehört zu haben.
Mit Verlaub: Durch die Prärie wandernde Frauen, die um ihr Leben kämpfen und sich Indianer erwehren müssen, mögen eine exotische Ausgangsposition sein, nur wenn man im Pathos schwimmen kann, sich die Dialoge ständig um nun mal weibliche, und hier auch ungemein kitschig rübergebrachte Themen drehen, ist bei mir der Ofen aus. Langweilig, überflüssig, vergessenswert.

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