Review

Punk in den 70ern und 80ern - nein, ich benutze jetzt nicht den Satz "das waren noch Zeiten" .
Damals war Punk definitiv noch wesentlich mehr als nur eine Modeerscheinung. Jugendliche, die es leid waren, ihr tristes, ihnen vorbestimmtes Leben bestehend aus Schule, Karriere, langweiligem Reihenhaus, Familie, Baum pflanzen, Sonntagskirchengängen und all dem 08/15-Scheiss anzunehmen, rebellierten damals noch gegen alles, was ihnen wirklich gestunken hat, womit sie täglich zu kämpfen hatten und für die Freiheit. Punk war ein Lebensstil, der wohl überhaupt nicht der einfache war, dafür aber der Aufrichtigere, denn hier brauchte sich niemand zu verstellen und lebte das aus, was er/sie wollte und sich wünschte. Was natürlich nicht nur zu Verwirrungen, sondern auch zu offenem Hass der Spießbürger führte und so bestand Punk-Leben nicht nur aus Punkrock und Nietenlederjackenverkleidung, sondern aus rellen Problemen wie täglichen Straßenkämpfen, Streß mit der Polizei und Schikane aller Ortens.
Heutzutage sieht es etwas anders aus: Der Punk an sich fällt heute gar nicht mehr so sonderlich auf im Stadtbild. Zumal die berüchtigten Chaos-Tage Anfang der 80er sowie 95 und 96 schon lange zurückliegen, ist der "Schock-Effekt" nicht mehr so gegeben wie damals. Anfang der 80er brauchte man ja nur nen etwas wilderen Haarschnitt zu tragen und wurde schon wie'n Schwerverbrecher behandelt.

Punkverfilmungen allerdings haben meistens ein Problem: Entweder sie sind zu hollywood-albern gemacht, um sich nen schönen großen Kuchenteil abzuschnippeln bei den allgemeinen Kinobesuchen und/oder generell völlig mies gemacht, unrealistisch ohne Bezug zur wirklichen Bewegung und was sie bewegt(e).
"Suburbia" - so wurde mir mal erzählt - soll da eine große Ausnahme sein, da die Macherin des Streifens jahrelang in der Punkszene unterwegs gewesen ist und so genügend realistische Eindrücke mitnehmen konnte. Außerdem hatte sie sich nicht lange vor diesem Film schon einen guten Ruf mit der Punkdoku "The Decline Of Western Civilization" von 1980 eingehandelt, was diesen Film dann natürlich doch für mich interessant machte...

Storyboard: Eine Gruppe von Vorstadtpunks & Skins wehrt sich gegen das Establishment mit ihrer Lebensart aus "Garage Hopping", Konzerten, No Future, Streetfights und Zusammenhalt gegen die tristen Aussichten, die ein Vorstadt-Kaff irgendwo in den USA nur bieten kann:
"Schaff Dir durch redliche Arbeit Dein ödes Reihenhaus, das genauso beschissen gleich aussieht, wie jedes andere in der Siedlung, mähe einmal die Woche Deinen Vorgarten-Rasen, sei nett und unauffällig zu den Nachbarn und danke am Thanksgiving artig der Nation und Gott für dieses 'wunderbar-aufregende' Leben...."
Die Punks & Skins haben einen anderen Weg gewählt, denn Ihre Welt besteht aus Rebellion und Ihr Kopf ist noch nicht im Weichspülgang verkalkt. Keine Chance haben heißt Veränderung. Anders sein im Denken und Aussehen ist für sie das wahre Leben, welches noch aus Emotionen und ihrer Vorstellung von Freiheit besteht. Doch bunte Haare oder kahlgeschorene Köpfe in schweren Boots passen nicht in diese "friedliche Idylle" der Suburbia. Die Kleinstadt mit all ihren so achtbaren und moralisch-redlichen Spieß-Bürgern reagiert und zeigt ihr wahres Gesicht....Die Hetze gegen die Außenseiter, die nur Ihre Freiheit ausleben wollen, beginnt. Die "Suburbia" zeigt Ihr wahres Gesicht.

"Suburbia" führt den geneigten Zuschauer in die "wilden Zeiten" zurück. Damals sehr gut recherchiert und vor allem auch realistisch in Szene gesetzt (da besonderer Wert auf "authentische" Personen und Bands aus der real existierenden Punk- und Skinhead-Szene gelegt wurde) stellt dieser Film auch heute noch einen wirklich guten Einblick in die junge Jugendbewegung dar. Und die Beweggründe und Lebensgeschichten, die Jugendliche in diese Szene und zu ihrem Handeln trieben.
Interessant noch nebenbei: Flea (seines Zeichens Bassist der Red Hot Chili Peppers) spielt in diesem Film die Rolle des Razzle. Bevor er nämlich so eine weichgespülte Popscheisse wie heute gemacht hat, war er im Punkbereich unterwegs...

Auf jeden Fall eine ganz große Ausnahme am "Punkfilm-Himmel"...

8/10

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