Review

kurz angerissen*

Wenn man genau hinschaut, sieht man das Fegefeuer der Produktionshölle eifrig in den Hintergründen lodern. Es flackert im uneinheitlichen Szenenbild, in der Sprunghaftigkeit des willkürlich durch die Epochen hüpfenden Drehbuchs und der Lustlosigkeit der Akteure, die überhaupt nicht an ihre Rollen gebunden zu sein scheinen. Selbst als John Travolta sich in der Eröffnungssequenz nach House-Of-Cards-Art wie ein Moderator direkt an sein Publikum richtet, hinter ihm die Brooklyn Bridge zur imposanten Postkartenansicht aufgetürmt, versandet dieser initiale Aufputscher ganz merkwürdig im Nichts und verrät vom Fleck weg, dass es um einen echten Plan nicht gut bestellt ist.

Folglich wirkt diese Biografie über einen der ganz großen Namen der Cosa Nostra so, als habe sie im Grunde nichts Relevantes über ihn zu erzählen. Anstatt John Gotti tief auszuleuchten, wird seine Geschichte mit Scorsese-Standards aus der Gattung des Mafiafilms überschüttet, was den Hauptcharakter zur Holzmarionette werden lässt. Gesten werden im Kleinen imitiert und das Epische im Großen. Tragische Vorfälle im Umfeld des Gambino-Clans werden wie emotionale Trigger bedient, sie heischen aus kalter Berechnung um jede Träne, die der Zuschauer entbehren kann.

Travolta hat nicht viel entgegenzusetzen, um die Versäumnisse der Produktion zumindest mit einer spektakulären One-Man-Show vergessen zu machen; er bevorzugt es, sich hinter der durchaus gelungenen Maske zu verstecken, die immerhin jedem der beschriebenen Jahrzehnte einen anderen Mann zu servieren weiß. Spencer Lofranco chargiert als Gottis Sohn wie einer der Krays aus der jüngsten Verfilmung mit doppeltem Tom Hardy, der Rest erlangt höchstens die Wirkung von Abziehbildern der bekanntesten Darsteller von Mafiosi, von denen mit Joe Pesci einer im Laufe der Vorproduktion verprellt wurde.

Es fehlt an echtem Drama, destilliert aus einem individuell nachgezeichneten Lebenswerk einer Vita, die mit Sicherheit mehr Filmstoff hergegeben hätte. Dieser Gotti ist eine blasse Kopie filmischer Vorbilder und folglich nicht sein eigener Herr.
(3.5/10)

*weitere Informationen: siehe Profil

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