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Der Klassiker "Mord im Orient-Express" von Agatha Christie war eigentlich der letzte von vier im Nahen Osten spielenden Romanen um den belgischen Meisterdetektiv Hercule Poirot "Tod auf dem Nil", "Rendesvouz mit einer Leiche" und "Mord in Mesopotamien".

In der vorliegende mit allen technischen Mitteln auf nostalgisch getrimmten und CGI-technisch aufgepeppten Popcorn-Variante des Romans nimmt man es aber mit derlei Werktreue nicht ganz so genau, was die Eröffnungssequenz vor der Klagemauer mit Kuhfladen dem Zuschauer mit Vorwissen schnell klarmacht.

Obwohl Kenneth Brannagh seine Shakespeare-Verfilmungen gelungen und unterhaltsam inszenierte, muss der Zuschauer ein gutes Stück Toleranz mitbringen, wenn er die 74er Verfilmung des Romans mit Albert Finney und die zwar romanfernen aber kurzweiligen Verkörperungen Peter Ustinovs in angenehmer Erinnerung hat. Eine Werk- und Detailtreue wie in den BBC Verfilmungen mit David Suchet sollte man ebenfalls nicht erwarten.
Doch im Vergleich zu "Die Morde des Herrn ABC" mit Tony Randall fällt Brannaghs Poirot deutlich unterhaltsamer aus. Zwar moralisiert auch Brannaghs Figur an etlichen Stellen, aber das tut die Romanfigur schliesslich auch immer wieder. Sein Poirot ist nicht ganz so selbstironisch augenzwinkernd wie die Ustinov-Version, aber auch nicht ganz so moralgetrieben verbissen und melancholisch wie die Darstellung von David Suchet.
Die Verfilmung hinterlässt einige Fragen:
- Was soll der nicht so recht zur Figur passende an Kaiser Franz-Joseph erinnernde breite Schnauzbart ?
- Wie kam der Kuhfladen in den geheiligten Bereich vor der Klagemauer?
- Warum wurde für die Bahn eine Stelzenbrücke direkt vor einen Tunnel gebaut, wo doch direkt daneben ausreichend Fläche für die Gleisführung auf festem Boden gewesen wäre?
- Warum stolziert Poirot ohne ersichtlichen Grund auf dem vereisten Dach des Zuges herum?

Also besser Hirn resetten, Popcorn in Reichweite und Bilder geniessen...

(7/10)

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