Review

Auch für Pinguine ist das Leben kein Zuckerschlecken wie Arktisforscher und Regisseur Luc Jacquet bereits 2005 mit dem Oscar prämierten „Die Reise der Pinguine“ untermauerte.
Inhaltlich bringt die Fortsetzung zwar nicht viel Neues, doch aufgrund moderner Technik sind die Bilder fesselnder als beim Erstling.

Im Fokus der Dokumentation stehen Kaiserpinguine, die größten ihrer Art. Anhand einer Familie offenbart sich der Kreislauf des Lebens: Vom Ausbrüten durch das Männchen, über die Nahrungsbeschaffung für das Jungtier, bis hin zum ersten Gang der neuen Generation zum Meer.

Eine positive Änderung gegenüber dem Original ist die Reduzierung auf nur einen Sprecher in Form von Udo Wachtveitl. Dadurch entfällt die Vermenschlichung, die im Original einen leichten Nerv - und Kitschfaktor ins Spiel brachte, womit die Konzentration nun verstärkt auf die teils atemberaubenden Bilder fällt.

4K-Technik, Drohnen und Unterwasserkameras sorgen für Details, für die keine Leinwand groß genug sein kann. Jedes Flaumhärchen im Wind ist erkennbar, jeder zu Eis gefrorene Tropfen am Schnabel, während Richtmikrofone der neuesten Generation jede Bewegung des Watschelns auf dem Eis aufzeichnen. Dadurch werden Schneestürme unweigerlich zum absolut fröstelnden Erlebnis und auch das Einbrechen im Eis gestaltet sich wie der sprichwörtliche Sprung ins kalte Wasser.

Leider blendet Jacquet die Extreme des Kreislaufs erneut aus. Beim Geschlechtsakt bleibt die Kamera keusch bei den Oberkörpern und trotz einiger aufgezählter Gefahren wie etwa durch den Riesensturmvogel kommt es zu keinem dramatischen Ereignis.
Ebenfalls ungewöhnlich ist die nicht chronologische Erzählweise in der ersten Hälfte, was dem Treiben ein wenig die Spannung nimmt. Zunächst ist das Jungtier zu sehen, danach wird der beschwerliche Weg des Ausbrütens gezeigt, - da es also definitiv überleben wird, ist der Weg dorthin eher weniger mitreißend.

Dennoch bietet die ausladende Exkursion zum Südpol spektakuläre Bild - und Tonaufnahmen, die von einem symphonisch arrangierten Score untermalt werden, der nur selten dramaturgisch drüber ist und zudem ein wunderbares Hauptthema einbringt.
Ob die Tiere in einer Kolonie zum Brutplatz watscheln oder auf dem Bauch surfen, im Meer eintauchen und mit ihm eins werden, sich beim Sturm eng aneinander kuscheln oder beim Tanz so synchronisieren, um sich später in der Menge wieder zu finden, - Tierfreunde und Fans des ersten Teils dürften die Aufnahmen faszinieren.
7 von 10

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