Review

Eher Boll als Romero


Selbst wenn „Day of the Dead“ von 1985 wohl immer etwas im Schatten seiner zwei noch legendäreren, vorangegangenen Brüder stehen wird, bleibt auch Romeros originaler Abschluss seiner Zombie-Trilogie ein Klassiker durch und durch, dem man erstmal gerecht werden oder immerhin das Wasser reichen muss. „Day of the Dead: Bloodline“, ein verkapptes Remake von 2018, versucht das gar nicht erst, sondern liefert außer ein paar saftigen Splattereien und dem (vor zwei Jahren seiner Zeit sogar etwas vorauseilenden) feministischen, wichtigen, woken Blickwinkel rein gar nichts, was über eine kalorienarme Zwischenmahlzeit und (relativ schmieriges) Fast Food hinausgehen würde. Wir folgen einer attraktiven Wissenschaftlerin, die in einem unterirdischen Armeestützpunkt forscht, um die draußen tobende Seuche der Untoten zu stoppen und den endgültigen Untergang der Menschheit noch umzukehren. Doch einer der Zombies, ausgerechnet ihr aufdringlicher, kranker und creepy Exfreund, scheint schlauer, immuner und hartnäckiger zu sein, als die restlichen verwesenden Beißer...

Bei manchen Filmen, würde man mit der Kritik am liebsten schon noch während er läuft beginnen. Da man weiß, das da nichts mehr kommt, da die Langeweile regiert, da man Besseres mit seiner Zeit anzufangen weiß, da man sich den Rest spielend ausrechnen kann, da man dieses Kapitel endlich abschließen will, da der Film kurz gesagt einfach Bockmist ist. Genau ein solcher Fall ist „Day of the Dead: Bloodline“. Durch einige gelungene Aufrisse und den zumindest gewagten Einfallswinkel mit dem Stalker oder psychopathischen Ex, kann ich vielleicht nochmal ein Auge zudrücken, diesen mageren Zombie-Remix etwas höher hängen als sein internationales, wirklich verheerendes „Ansehen“. Doch einige Zuschauer könnte vielleicht gerade dieses Thema und die oberflächliche Abarbeitung dessen noch mehr erzürnen, als der ohnehin schon zähe Zombiefilm als Hülle. Lieber „It Stains The Sands Red“ gucken. Oder eben das maximal überlegene Original. Denn „DotD: Bloodline“ wird weder seinem Subgenre noch seinem eigentlich ehrwürdigen, (immer) aktuellen Thema auch nur ansatzweise gerecht. Von katastrophalen Darstellern und einem aggressiv-nervigen Soundtrack ganz zu schweigen. Trotz knackiger 80 Minuten zieht sich das wie abgelaufener Kaugummi. 

Fazit: eher eine maßlose Enttäuschung für seinen Namen und absolut keine Bereicherung für das Zombiegenre. „Day of the the Dead: Bloodline“ ist seelenlos, unnötig und jede Reanimation wäre vergebene Liebesmühe. Kümmerlich und kahl. Selbst als knackiger B-Movie-DTV-90-Minüter nahe der Zeitverschwendung. Egal wie sehr man auf Untote steht, egal was der spritzige Blutzoll noch rausreißt, egal wie interessant der #MeToo-Überton sein mag. Lieber zu Bub und dem Original greifen. Wieder und wieder. 

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