Auf den Hund gekommen
Wer immer schon mal John Malkovich, Adrien Brody und Rory Culkin (ja, der kleine Bruder von Kevin äh Macaulay) dabei zusehen wollte, wie sie von einem Zombie-Kampfhund durch eine bulgarische Fabrik-Ruine gejagt werden, der ist hier goldrichtig, gewissermaßen. Als Goodie gibts noch Antonio Banderas obendrauf, der weder dem Trio noch dem Köter wohl gesonnen ist und dafür völlig zu Recht zerbissen in den ranzigen Beton beißt. Ja, solche Perlen entstehen für gewöhnlich in Bulgarien, denn offenbar gibt es nur dort eine solche Vielfalt an Settings von tristestem Verfall. Millenium Films jedenfalls ist dort Stammkunde und einem solchen bietet man nur das Beste, was hier bedeutet das Abgefuckteste.
Aber halt! Warnung voraus! Was sich jetzt nach lustigem Horror-Trash anhört, ist in Wahrheit ein ambitioniertes Werk über die Seele und Taten von Hunden, die gleichzeitig metaphorisch für menschliche Entscheidungen stehen (also die Taten, nicht die Seelen), oder so ähnlich, sagt jedenfalls Regisseur und Mastermind Paul Solet. Und der muss es ja wissen, sollte man meinen. Lauscht man seinen Ausführungen im epischen Making-of (immerhin ein Drittel der Spielfilmlänge) verliert man zwar schnell den Faden, aber zumindest eines wird deutlich: der Mann liebt Hunde. Irgendwie hat er auf alle Fälle seinen berühmten Cast überzeugt, denn auch der ergeht sich in tiefsinnigen Reflexionen über die Intellektualität und die Tiefe des Films und der vierbeinigen Co-Mimen. Gut vielleicht war das eine der Auflagen für den garantiert respektablen Gehaltsscheck, aber man kommt schon kurz ins Grübeln, ob der soeben gesehene Schrott nicht vielleicht doch irgendwie versteckte Substanz enthält. Die Betonung liegt auf "kurz".
Am Anfang ist man ja noch guter Hoffnung. Drei Ganoven verstecken sich nach erfolgreichem Bruch in einem maroden Lagerhaus. Was sie nicht wissen, ist dass es nächtens als Austragungsort für illegale Hundekämpfe dient, wobei sie das spezielle Pech erwartet, dass ein verwundeter Kombattant seinen Schlächter geschlachet hat und nun entsprechend aufgeputscht durch die Korridore tigert. Dabei gönnt uns Solet noch ein ganz besonderes Leckerlie, nämlich die Egosperspektive des hechelnden Killers.
Tja, wie gesagt, der simple Tierhorror-Schocker ist es dann aber eben doch nicht, vielmehr fangen unsere drei Helden flugs damit an in Rückblenden und Erinnerungen zu schwelgen, die ihre Charaktere wohl ausdifferenzieren sollten, aber weit eher zur Ausdilettierung taugen. Allen gemeinsam ist, dass es darin um Tiere geht, mit denen die drei besonders tragische, prägende und emotionale Erlebnisse verbinden. Wahrscheinlich wollte Solet einfach mal die Taschenuhr-im-Anus-Fabel aus „Pulp Fiction" remixen, hat diese aber leider hoffnungslos zerscratcht. Wenigstens geht seine Hunde-Leidenschaft nicht zu lasten einer toleranten Weltanschauung, denn einer der drei kriminellen Philosophen darf die tiefschürfende Weisheit absondern: „Auch wenn du Katzen magst, kannst du ein richtiger Mann sein." Dafür einen goldenen Respekt-Hundeknochen.
Im letzten Drittel hat Solet dann endlich genug von dem Geschwafel und beglückt uns mit dem archaischen Drama vom Kampf Mann gegen Bestie. Da gibt es ganz viel Jump and run, immerhin noch eine ordentliche Ladung Geballer (der arme Antonio hatte bis dato auch wirklich kaum etwas zu tun) und ein sich mit Pauken und Trompeten ankündigendes Bonding. Am Ende sind wir so schlau wie zuvor, worum es bei der ganzen Chose eigentlich geht. Aber zum Glück gibt es ja das erhellende Making of, denn dann weiß man wenigstens ganz sicher, dass Regisseur Solet auch keine Ahnung hatte. Wenigstens liebt er Hunde. Das hatten wir schon, aber gut, dass es nochmal gesagt wurde. Ansonsten: bellende Hunde kriegt man am ehesten durch Ignorieren ruhig. Übersetzt in cinephilen Zweibeiner-Jargon heißt das dann: Nicht streamen, nicht leihen und bloß nicht kaufen!