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Ein babylonischer Dämon hat Besitz von der jungen Mary genommen und manch katholischer Würdenträger wittert deswegen sogar die baldige Ankunft des Antichristen. Schnurstracks werden die fähigsten Priester mit dem Exorzismus beauftragt, was sich aber als äußerst schwierig herausstellt. 


Drei mal schon wurden die amerikanischen Versuchskaninchen auf die Menschheit losgelassen und durften die Gemüter der Fans spalten. Die vierte Neuinterpretation der japanischen "Guinea Pig" Reihe kommt von niemand anderem als Stephen Biro, seines Zeichens Inhaber des Labels Unearthed Films (und bei einigen aufgrund angeblich unkosherer Geschäftsführung in Kritik stehend), und stellt einen klassischen Exorzismus-Film dar. Ein Bruch mit den experimentellen Gewaltorgien der jüngeren und älteren Vergangenheit? 


Die Handlung bietet zunächst einmal wenig Neues und ermöglicht einen schnellen Einstieg. Marys Vater schneidet sich vor ihrem Bett die Kehle auf, woraufhin relativ schnell die Geistlichen auftauchen, die den ihr innewohnenden Dämon austreiben wollen. Hierbei gibt es konstanten Nachschub, was für einen eher ungewöhnlichen Spannungsbogen sorgt, der Langeweile und Höhepunkte gleichermaßen auslässt. Das passt zum klassischen Guinea Pig Muster, aber eher weniger zu Exorzismus-Horror, was jedoch nicht allzusehr stört. 


 Atmosphäre gibt es ganz klar mehr als Handlung. Hier kann man natürlich nicht mit den alten und neuen Helden des Genres mithalten, aber "the Song of Solomon" schlägt sich für eine Indie-Produktion doch ganz ordentlich, vor allem in den Szenen, in denen Mary dem Dämon verbal freien Lauf lässt und ihre Augen grün leuchtend mehrere Pupillen präsentieren. Hier verfehlt das Dargestellte seine Wirkung nicht, auch wenn die Schauspieler natürlich eher engagierte Laien als Profis sind. 


 Sicherlich dürfte es keinen überraschen, dass der Goregehalt in diesem aktuellsten "American Guinea Pig" Teil angenehm hoch ist. Obwohl er mit den vorherigen amerikanischen und den berüchtigteren japanischen Meerschweinchen in diesem Punkt nicht mithalten kann, ist der salomonische Sang für einen okkulten Horrorfilm doch erstaunlich blutig ausgefallen. Aufgeschnittene Kehlen inklusive herausgezogener Zungen gibt es zuhauf, Augäpfel werden unsanft entfernt, kleinere Blutbäder zelebriert und in einer sehr stark in die Länge gezogenen Szene erbricht die junge Frau zig Organe, um sie dann zügig erneut zu verspeisen. Das alles wird auch gewohnt effektiv in Szene gesetzt. 


 Fazit: "American Guinea Pig : The Song of Solomon" funktioniert als solide Mixtur aus Atmosphäre bzw bedrohlicher Grundstimmung und Splatter. Obwohl er hier das Rad nicht neu erfunden hat, kann der umstrittene Labelchef letztendlich doch genug Schauwerte bieten, um den Horror- und Splatterfan gut zu unterhalten - Freunde des sadistischen Menschenhasses im klassischen Guinea Pig Stil könnten aber eventuell enttäuscht werden.

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