Review

Hinter dem harmlos klingenden, eher einen Liebesfilm oder ein Drama diesbezüglich andeutenden Projekt verbirgt sich der in dem ausgewählten Jahr 2017 insgesamt 4. veröffentlichte Film des damit reichlich umtriebigen Herman Yau; ein seit den späten Achtzigern gleichzeitig als Regisseur und Kameramann in das HK-Filmbusiness eingestiegenen und seitdem durchgängig profilierten Filmemachers, der auch früh schon als (Co-)Autor seiner eigenen Inszenierungen anfing und somit der cineastischen Landschaft eindrücklich seinen Stempel verlieh. Dabei sind die bislang über 65 Erzeugnisse mit seinem Namen seit Beginn an in allerlei Richtungen angesiedelt und alle Genres bestückend, was der Filmographie trotz auch tatsächlich der Masse eingängiger Titel auch viel Unbekanntes beifügt und eine tatsächliche Persönlichkeit hinter den diversen Arbeiten nicht wirklich herauszulesen sind.

2017 wurde mit dem von chinesischen Geldern finanzierten Action-Blockbuster Shock Wave ein modernes Unterhaltungsstück für das eifrig zahlenden Publikum bereitet, mit Sleep Curse ein später und einzelner Vertreter der ursprünglich bei den Shaw Bros. um sich tobenden Horrorwelle der frühen Achtziger als auch der späteren Category III Höhepunkte zelebriert, und die Liebesgeschichte 77 Heartbreaks fabuliert; alles von Budget, Herangehensweise, auch Distribution und Rezeption vollkommen unterschiedliche Filme, die jeweils einen anderen Stil ansprechen und theoretisch auf einen unterschiedlichen Macher hindeuten. [Für die nahe Zukunft sind bereits ein halbes Dutzend weitere Produktionen angekündigt und/oder schon am Laufen, darunter drei Fortsetzungen und zwei davon Big Budget.]

Always be with You oder auch Accompany Me selber ist dabei mitnichten ein (reiner) Liebesfilm und wendet seine danach klingende und damit sicherlich auch spielende Aussage auch eher als Prämisse der negativen Umwandlung dessen, als Drohung und Warnung und dies vermeintlich im Sinne eines Psychothrillers an; wobei die Ankündigung des Projektes noch so lange vielversprechend klang, bis die Inspiration dahinter offenbar wurde und die Maskerade des Ganzen wie ein Schleier abfiel. Geplant wurde zum 20. Jahrestag, also zwei Dekaden nach 1997 auch und so ehrenhalber  die insgesamt 20. Episode der damals startenden und sofort durchstartenden Troublesome Night (a.k.a. Yin and Yang Road) Reihe; eine bis ursprünglich 2003 laufenden Horror- und Gruselanthologie, die von Yau (mit-)gestartet und anfänglich gestaltet wurde und danach vermehrt in die Hände vom Produzenten Nam Yin und dann auch vom durchaus lokalpopulären Kino hin zu  vernachlässigbaren Direct to Video überging. Beide Beteiligten hinter der Kamera sind nun auch wieder anbei, inkl. des damals noch ursprünglich und vermehrt für das Fernsehen tätigen (und seitdem zum Star hinauf katapultierten) Louis Koo als vor der Kamera  anwesenden Aushänge- und Verkaufsschild. Eine sicherlich nur kurzlebige Wiederbelebung und Neu-Adaption eines damals für die ersten wenigen Jahre einflussreichen Geschehens, wobei die Zeiten selber sicherlich nicht vermisst worden sind, jeder Vertreter des überhaupt darbenden Horror- und Psychogenres (wie der ähnlich gehaltene Ghost Net aus demselben Jahr) aber durchaus willkommen ist:

Nach der Diagnose Lungenkrebs wird der noch verhältnismäßig junge Taxifahrer David [ Julian Cheung ] von einer schweren Depression übermannt, die ihn auch volltrunken ans Steuer seines Fahrzeuges lässt und prompt einen folgenschweren Unfall auslöst. David tötet den frischgebackenen Hotelbesitzer Patrick [ Alex Lam ], dessen Witwe Yu-xin [ Charlene Choi ] zwar dennoch das Resort eröffnet, sich dort aber mit unliebsamen Gästen herumschlagen muss. Die nur knapp dem Tod entgangenen Sam [ Louis Koo ] und Si [ Charmaine Sheh ], ein verheiratetes Polizistenprächen schicken daraufhin die seine Tante [ Helena Law Lan ], ein Medium zum Exorzismus in die abgelegene Gegend, und eines Tages taucht auch der schwerverschuldete Bestattergehilfe Chi-keung [ Gordon Lam ] vor Ort auf, der auf der Flucht vor Unglück und den Kredithaien um Fung [ Ken Lo ] ist.

Eine schicksalshafte Begegnung gleichzeitig inmitten in der Großstadt und des Nachts in einer Straße isoliert eröffnet den Reigen der noch folgenden Katastrophen, wird dort binnen einer Sekunde die Existenz mehrerer sich voher nicht kennender Personen zusammengeschweisst und als jeweiliges Exempel von Leben und Tod exekutiert. Die folgende Handlung als Kaleidoskop mehrerer Wege und mehrerer Ursachen in das noch kommenden Dilemma, und gleichzeitig aus Vor- und Nachereignissen, aus Rückblenden und Weiterführungen über die Nacht hinaus präsentiert.

Um Verwirrung zu vermeiden, werden dabei für die Kürze des Aufbaus jeweils dem einheimischen Publikum bekannte und über die Jahre beliebte, präsente Darsteller also und dies auch in Typisierungen gewählt, und sich dann nach und nach mehr auf den Einzelnen statt dem großen Ganzen konzentriert; ein Springen zuweilen in die Geschichte hinein und hinaus, auch mit inszenatorischen und (da Yau auch geschrieben hat) narrativen Taschenspielertricks, in dem die formelle Ruhe der Regie selber und der Überblick über das Konstrukt der Vorteil des Filmemachers ist und dies dem Rezipienten zugute kommt. Schön ist auch, dass Yau sich nicht gänzlich hinter geschlossenen Vorhängen und innerräumlich im kleinen Stübchen versteckt, sondern zumindest anfangs vermehrt an die Öffentlichkeit, an die frische Luft, auf die Straße oder ins überfüllte Krankenhaus und unter die Leute von HK und so hinein in die Gesamtheit einer wuselnden Zivilisation geht und dort trotzdem seine Gauklereien, die bösen Vorahnungen, die unerklärlichen Geschehnisse, die Verwirrung des Subjektes und den fließenden Übergang von einer Welt in die andere offenlegt. Zudem wird auch ein ordentliches Tempo vorgelegt, dass teilweise Schlag auf Schlag lospoltert und den Zuschauer innerhalb von Minuten mit gleich mehrerlei Rätseln versorgt und ihn unabdinglich in den Banne zieht.

Den furiosen Beginn und das Hin und Her und Vor und Zurück an Begegnungen, in der die Welt hier tatsächlich ein Dorf ist und bald Jeder mit Jedem verkehrt, braucht der Film aber auch, um über die Runden zu kommen, wiederholen sich mit zunehmender Länge etwas die Themen, die sowieso recht auf den Suizid oder den Versuch oder zumindest den Gedanken daran zurückfallen und dieses nicht gerade galant gehandhabt, hier eher als Gimmick gehandicapte, hier leichtfertig verschwendete Motiv etwas überstrapazieren. Zudem sind die darstellerischen Leistungen wie gerade die von Choi oder auch Koo zuweilen recht überschaubar bis einfach nur funktional oder auch übertrieben expressiv, jedenfalls alles andere als empathisch und so tatsächliches Gefühl für die Personen und ihren jeweiligen Scheideweg nicht erzeugend. Dass sich auch die Bilder anfühlen wie (positiv ausgedrückt) zeitlos oder (negativ veranschlagt) mindestens 10 Jahre zu spät und reichlich hausbacken und als größeres Fernsehspecial macht den Film wohl eher nur für die interessant, die auch die anderen 19 Vorgänger geschaut und vielleicht auch noch vermisst oder gar geliebt haben, oder eben vor 10 Jahren bei den ähnlich angesetzten Scare 2 Die (2008) und dem gleichsam unbekannten Fear Factors (2007) stehengeblieben und dann in den seligen Winterschlaf gefallen sind.

Details
Ähnliche Filme