iHaveCNit: Flashback 2017: Simpel (2017)
Zu einer der wenigen Filme aus dem letzten Jahr, die ich noch sehen wollte, gehört die deutsche Tragikomödie „Simpel“, die die Vorlage eines französischen Romans in den deutschen Norden um und in Hamburg versetzt. Mit David Kross und Frederick Lau in den Hauptrollen wird hier ein warmherziger Roadtrip mit einer tollen Geschichte über zwei Brüder geboten, der mir auch aus persönlichen Gründen ans Herz gegangen ist. Für mich ist dieser Film die deutsche Version eines „Rain Man“.
Ben und Barnabas, der auch aus Gründen seiner geistigen Behinderung auch „Simpel“ genannt wird, sind zwei unzertrennliche Brüder. Als ihre Mutter stirbt, soll Barnabas in ein Heim – was sowohl Barnabas und auch Ben nicht wollen. So macht sich Ben mit Barnabas auf den beschwerlichen Weg nach Hamburg um dort den jahrelang abwesenden Vater aufzusuchen. Für beide Brüder folgt ein unglaubliches Abenteuer, das auch das Band der Brüder auf eine harte Probe stellt.
Da ich es aus privaten Gründen kenne, welche Opfer man für einen geistig behinderten Bruder bringt – und ich Filme schätze, die sich auch mit diesen Themen auseinandersetzen, war „Simpel“ auf jeden Fall ein Film, den ich sehen wollte. Nach der Sichtung wusste ich auch warum. Denn die Darstellung sowohl von Frederick Lau als Ben als auch David Kross als Barnabas ist so unglaublich warmherzig, gefühlvoll und sehr vielschichtig herausgearbeitet. Und auch die wichtigsten Nebenrollen mit Devid Striesow, Emilia Schüle, Axel Stein und auch Annette Frier sind toll geschrieben und gespielt. Dabei legt sich der Film nicht auf die eine Sichtweise gegenüber geistig behinderten fest, er liefert das gesamte Spektrum im Umgang mit geistig behinderten. Ich finde das sehr respektvoll, was mitunter nicht immer filmisch selbstverständlich ist, wenn man sich zum Beispiel filmisch über geistig behinderte lustig macht und sie zum Clown degradiert. Zum Glück ist das hier nicht so, auch wenn ich das im oft sehr klischeehaften und oberflächlich plakatierten deutschen Mainstream-Komödienkino auch zugetraut hätte. Jedoch hält sich dieser Film bei seinem kleinen Roadtrip etwas sklavisch an die klassische, fast episodenhafte Erzählweise, in der man von Ereignis zu Ereignis springt. Für die 114 Minuten fehlt ein wenig das Tempo in diesem Film, das aber durch die gefühlvolle und ruhige Erzählweise etwas kompensiert wird, um Momente einfach wirken zu lassen und mich hat der Film berührt und emotional mitgenommen. Für mich einer der besten Filme in diesem Jahr, die ich aus dem letzten Jahr nachgeholt habe.
„Simpel“ - My First Look – 8/10 Punkte.