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iHaveCNit: Nur Gott kann mich richten (2018)

Ich liebe deutsches Genrekino, das so viel mehr kann als nur die Mainstream-Komödien und Historienfilme. In Zeiten, in denen wir selbst perfektes deutsches Genrekino als TV-Serie in Form von „4 Blocks“ bekommen, kommt nun im selben Fahrwasser das Crimedrama „Nur Gott kann mich richten“ von Özgür Yildirim mit dem Genrekino-erprobten deutschen Schauspielstar Moritz Bleibtreu und dem Star aus „4 Blocks“ - Kida Khodr Ramadan, der für mich so langsam auch zu einem einprägsamen Gesicht und einem einprägsamen Namen im deutschen Film- und TV-Geschäft wird. Schauplatz dieses Crimedramas ist Frankfurt, meine Heimatstadt, dass bisher in diesem Genre wenn überhaupt nur in Tatorten zu sehen war. Frankfurt auf der großen Leinwand hat definitiv etwas, genauso wie der Film.

Ricky kam vor 5 Jahren nach einem gescheiterten Überfall in den Knast, nun ist er raus und sein Gefährte von früher, Latif überredet ihn zu einem letzten Deal, bei dem es um viele Drogen, aber auch viel Geld geht. Doch es läuft nicht alles nach Plan, denn nicht nur eine Polizistin mit eigenen Problemen tritt auf den Plan, auch zwischen Ricky und seinem Bruder Rafael läuft seit dem gescheiterten Überfall nicht mehr alles rund.

Crimedrama auf Frankfurts Boden also – und einem Drehort, in dessen Nähe nur wenige Fußminuten entfernt ich jahrelang aufgewachsen bin und meine ganze Jugend und das junge Erwachsensein verbracht habe. Allein dafür hat sich für mich der Film gelohnt. Aber „Nur Gott kann mich richten“ bietet eigentlich alles, was ein tolles Crimedrama braucht – eine klassische Handlung, die etwas an „Layer Cake“ oder auch Refns „Pusher-Trilogie“ erinnert. Die Charaktere sind vielschichtig, haben alle ihre eigenen Konflikte und Agenden, die hier verarbeitet werden. Egal ob Moritz Bleibtreu, Kida Ramadan, Edin Hasanaovic, Birgit Minichmayr – alle machen hier eine tolle Figur und lassen viel von dem eigenen Drama hervorscheinen, Mit Tim Wilde, Alexandra Maria Lara und Peter Simonischek ist der Film bis in die Nebenrollen sehr toll besetzt. Gerade dieser Film im Fahrwasser von „4 Blocks“ setzt viel auf Autenthizität und dass seine Charaktere von der Straße kommen. Jedoch ist für diese Charakter- und Milieustudie in der Kürze der Zeit, es will ja auch die Handlung von Punkt A nach Punkt B gebracht und zu einem brutalen und konsequenten Ende geführt werden, nicht genug Platz, diese Tiefe in die Charaktere und ihr Milieu zu bringen. Dafür läuft der Plot auch viel zu sehr nach Schema F, wie wir es aus internationalen Genregrößen kennen. Und wenn man schon im Fahrwasser von „4 Blocks“ schwimmt, zeigt gerade diese Serie, dass genauso ein Crimedrama mit Charakter- und Milieustudie in Form einer Serie viel mehr Zeit, Kraft und Wirksamkeit zur Entfaltung bekommt. Trotz allem ist „Nur Gott kann mich richten“ ein toller, kraftvoller, spannender und dramatischer Genrefilm aus Deutschland geworden, der hoffe ich zumindest der Startschuss ist, Frankfurt als Schauplatz häufiger für deutsche Kinoproduktionen einzusetzen.

„Nur Gott kann mich richten“ - My First Look – 8/10 Punkte.

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