Nicht mehr ganz so jung, dafür immer noch brutal und irgendwie auch gutaussehend
In dem starken Gangsteractioner "Nur Gott kann mich richten" wird ein Kleinkrimeneller nach einer abgesessenen Haftstrafe wieder von der dunklen Seite der Straße und der Gesellschaft angezogen. Und nun müssen er und sein Umfeld mit den Konsequenzen leben... Mit "Chiko" hat der deutsch-türkische Ausnahmeregisseur Özgür Yildirim schon gezeigt, was er kann. Mit dem neuen Moritz Bleibtreu-Vehikel macht er genau dort weiter. Alles dazwischen kann man durchaus vernachlässigen. Teilweise wie ein verfilmtes Gangsterrapalbum voller Klischees, teilweise jedoch radikal zu Ende geführt und klassisch warnend vor den Gefahren des Gangstertums und dem Teufelskreis der Gewalt. "Scarface" meets "4 Blocks".
"Nur Gott kann mich richten" hat internationales Format - selbst wenn man im englischsprachigen Raum sicher Probleme mit 2pacs Rechteinhabern kriegen könnte. Deutsches Genrekino, wie man es gerne öfters sehen würde. Konsequent, blutig, strasse. Alles wirkt extrem authentisch, von den oft genuschelt-gemixtsprachigen Dialogen bis zu den dunkleren Ecken von FFM. Die Darsteller spielen durch die Bank engagiert und mitreißend, was den Verlauf der mahnenden Story nur umso schmerzhafter macht. Dass Gewalt nur zu noch mehr Gewalt führt, ist zwar alles andere neu, doch es ist schön zu sehen, wie konsequent und heftig hier alles durchgezogen wird. Egal wie jung, asozial und verblendet manch einer im Publikum sein mag, meine Vorstellung war erfreulich gesittet, alle schienen gefesselt an der Leinwand zu kleben und zudem verließ sicher keiner das Kino mit dem Gefühl, dass Gangster sein ein Traumjob ist oder dass ein kleines, ungefährliches Ding doch mal schnell durchgezogen werden kann. Schade nur, dass sich gegen Ende die Ereignisse etwas zu turbulent überschlagen und somit etwas von der Wirkung manch eines Tiefschlags gedämpft wird.
Fazit: "Nur Gott kann mich richten" ist kein großer Coup, der lange im Gedächtnis bleibt oder den man sich immer wieder angucken will. Doch er unterhält gekonnt, sogar über sein etwas prolliges Zielpublikum hinaus, und beweist, dass Deutschland harten Gangsterthrillern ala "Pusher" oder "Toro" durchaus etwas entgegensetzen kann.
P.S.: Hoffentlich geht das angesprochene Publikum ins Kino und streamt nicht - denn Unterstützung hat eine solche Produktion in jedem Fall verdient. Selbst wenn er später zu Hause genauso gut funktioniert.