Nach ein paar Jahren Knast für einen mißlungenen Raubüberfall möchte Ricky (Moritz Bleibtreu) die wiedergewonnene Freiheit dazu nutzen, nun endlich bodenständig zu werden: eine kleine Bar weit weg im Süden soll es sein, doch dazu fehlt ihm das nötige Kleingeld. Da er weder seinen jüngeren Bruder Rafael (Edin Hasanovic) noch seinen früheren Kumpel Latif (Kida Khodr Ramadan) anpumpen kann, bleibt ihm, der sich nebenbei auch noch um seinen senilen Vater kümmern muß, nur wieder die Möglichkeit, mit krummen Dingern einen Batzen Geld zu verdienen - was er eigentlich vermeiden wollte. Ein Angebot Latifs bezüglich eines vermeintlich einfachen Raubüberfalls auf albanische Drogenkuriere scheint für Ricky geeignet, ein letztes Mal kriminell zu werden.
Mit großer Mühe holt er seinen Bruder mit ins Boot, doch da Latif in letzter Minute absagen muß, da er "versehentlich" in Haft genommen wurde, müssen Ricky und Rafael die Sache alleine durchziehen. Obgleich der Coup anfangs zu gelingen scheint, vermasselt Rafael die Sache dann doch noch, weil die resolute Polizistin Diane (Birgit Minichmayr) den Fluchtweg der beiden kreuzt. Sie können zwar entkommen, allerdings ohne die heiße Ware, die nun bei der Ordnungshüterin verbleibt, die den Fund vorerst nicht meldet, hat sie doch ein kleines Töchterchen, das dringend eine teure OP benötigt.
In den darauffolgenden Tagen ergibt sich daraus eine chaotische Situation, in der die Brüder sich vor Latif und dieser sich vor der albanischen Mafia rechtfertigen muß, während eine schüchterne Frau in zivil versucht, eine große Menge Stoff möglichst schnell auf einmal zu Geld zu machen...
Gegenüber den übermächtigen US-Varianten haben es deutsche Thriller noch relativ schwer, doch Regisseur Özgür Yildirims etwas martialisch betitelter Streifen Nur Gott kann mich richten macht hier eine Ausnahme und vermeidet zumindest die meisten Klischees, die deutschen Kriminalfilmen anhaften. So ist sein Hauptdarsteller mit Moritz Bleibtreu nicht nur gut gewählt, sondern kann seiner Rolle als vom Schicksal gebeutelter Ganove, der ernsthaft "aufhören" will, auch eine gewisse Authentizität verleihen. Auch die in Nebenrollen auftretenden Rotlichtgrößen unterscheiden sich kaum von den Hackfressen in vergleichbaren US-Filmen, wenngleich der Plot vom Ex-Knasti, der solide werden will, natürlich alles andere als innovativ ist.
Während Bleibtreu also mit der verfahrenen Situation umgehen muß und sich dieser auch wie ein Mann stellt (am beeindruckendsten sind dabei die wenigen Dialoge mit seinem Vater), gilt dies schon nicht mehr für seinen Bruder Rafael, der eigentlich weder mit Ricky noch mit irgendwelchen alten Geschichten etwas zu tun haben will, stattdessen seine schwangere Verlobte zu beindrucken versucht und dafür aus dem Tresor ihres Vaters Geld stiehlt, was natürlich nicht unbemerkt bleibt. Hochnervös vermasselt er den Drogencoup und ist eigentlich eine einzige Last für Ricky, der sich dies aber nicht eingestehen will.
Am wenigsten überzeugen kann allerdings der Filmcharakter des Kleinganoven Latif (Kida Khodr Ramadan), der von Anfang an nur Müll von sich gibt und von Ricky vermutlich nur wegen seiner Teilnahme am seinerzeitigen mißlungenen Raubüberfall ins Kalkül gezogen wird - schließlich ist er dem Compagnon von einst wegen dessen Haft noch etwas schuldig. Würde der schwafelnde Bartträger in seiner Rolle auch noch hessisch babbeln (der Film spielt in Frankfurt/M), wäre das Genre Komödie auch noch mit abgedeckt - doch Ramadan ist nicht Uwe Ochsenknecht und so bleibt die Rolle des Latif quälend lange Zeit ein feige herumlavierender Duckmäuser.
Nicht schlecht getroffen wiederum ist der Charakter der Polizistin Diane, die als toughe Alleinerzieherin ohne männlichen Beistand das tränentreibende Schicksal ihrer kleinen Tochter verbessern will und dabei gezwungenermassen selbst kriminell wird. Minichmayr überzeugt zwar in dieser Rolle, bedient damit allerdings leider auch jedes nur erdenkliche zeitgeistige Klischee.
Was Nur Gott kann mich richten dann aber wieder wohltuend von ähnlichen deutschen Thrillern unterscheidet, ist der völlige Verzicht auf mahnende Zeigefinger, wohlfeile Sätzchen oder auch nur irgendein Happy-End - ganz im Gegenteil spitzt sich die Situation zum Ende hin immer mehr zu, und der staunende Zuschauer bemerkt einen zunehmend höher werdenden Bodycount, wenn die Protagonisten ohne Rücksicht auf Verluste zu Werke gehen.
Dieses Finale stimmt dann trotz einiger vorhergehender Umgereimtheiten eher positiv, zumal Bleibtreu seiner Rolle, man verzeihe das unbeabsichtigte Wortspiel, bis zum Schluß treu bleibt. Eine starke Leistung des Hauptdarstellers, der den Film trotz einiger Drehbuchschwächen praktisch alleine trägt: 6 Punkte.