Früher: „Deutsch als Fremdsprache. Erste Lektion: Guten Tag.“
Heute: „Deutsch als Fremdsprache. Erste Lektion: Was geht ab, Bruder.“
Autor, Kameramann, Beleuchter, Nebendarsteller und Regisseur Ekrem Engizek mischt sich quasi unter das Volk der Kleinkriminellen im Drogenmilieu und lässt die Mimen mehr oder minder improvisieren. Da fällt kaum ein Satz ohne die Begriffe: Alter, Bruder, Schwör oder fuck.
Cenk (Tito Uysal) wittert die große Chance aufs schnelle Geld durch das Verticken von gestrecktem Koks. Doch er und seine Kumpels sind zu sehr selbst mit dem Konsum diverser Drogen beschäftigt und merken zu spät, dass ihnen das Unterfangen mehr und mehr aus den Händen gleitet…
Vielleicht nicht nur aufgrund der überschaubaren finanziellen Mittel setzt Engizek auf Handkamera und Laiendarsteller, denen man zumindest ihre Funktion als Drogenkonsumenten und Dealer abnimmt. Die Typen hängen ab, ziehen sich einen weißen Streifen durch die Nüstern oder setzen die Blubba an. Dazwischen werden kleine Geschäfte abgewickelt, man erhält einen unwesentlichen Einblick in die Direktion des Obergurus und anbei werden Frauen zum reinen Fickfleisch degradiert.
Zusammengefasst: Es gibt nicht einen positiven Charakter mit Migrationshintergrund, was mal wieder Wasser auf die Mühlen rechter Randgruppen bedeuten kann. Einzig ein soeben aus der Haft entlassener Typ ist erschrocken vom Drogenkonsum seiner Kumpels und warnt eindringlich vor den Folgen. Eine Szene die leider völlig unpointiert bleibt.
Wie die meisten Stationen. Denn eine Dramaturgie sucht man vergebens, es mangelt an Dynamik, während zwei kurze Gewalteinlagen wie Fremdkörper wirken.
Zudem geht es bei den Protagonisten nie in die Tiefe, denn es sind oberflächliche Figuren, die oberflächliches Zeug von sich geben, während einige Mimen extrem bemüht wirken, um möglichst authentisch zu erscheinen.
Am Ende muss man sich „Koxa“ eher nicht reinziehen, denn der Stoff besteht aufs vielen Einzelmomenten, die am Ende kaum eine Botschaft vermitteln. Konsequenzen im Milieu werden nicht drastisch genug bebildert, es gibt keine visuellen Verfremdungen, stattdessen einen überaus nüchternen Stil, der zwar nah bei den Figuren ist, deren Schicksale jedoch zu distanziert vermittelt.
3,5 von 10