kurz angerissen*
Überraschend: Der von Ideengeber Leigh Wannell persönlich inszenierte "Insidious 3" fühlte sich bereits wie ein schlichter Ableger für den Videomarkt an und ließ nichts Gutes für die Zukunft der Franchise erahnen, doch Newcomer Adam Robitel strebt mit "Insidious: The Last Key" zumindest audiovisuell wieder den effektvollen Konzepthorror an, mit dem die Franchise (samt "Conjuring" und Ablegern) einst ihren Anfang nahm.
Damit kehrt die Serie unerwartet zu ihren alten Tugenden zurück. Gleichwohl nimmt sie nicht völlig Abstand vom Versatzstück-Prinzip, mit dem die Horror-Elemente wie Module miteinander verknüpft werden: Wieder steht ein neues Monster im Mittelpunkt ("neu" ist dieser Tage allerdings relativ, wenn Javier Botet unter der Maske steckt), wieder ist ein neuer Einzelfall zu lösen unter Leitung eines Mediums, dem es schon seit Jahren widerstrebt, diesen Job zu machen. Die an verdunkelte Theaterkulissen erinnernde Geisterwelt ist längst ein zu wichtiges Markenzeichen, um es einfach auszulassen. Und die "Geisterjäger", bereits im ersten Teil Lieblingszielscheibe der Kritik, tänzeln inzwischen mit der Zuverlässigkeit von Ebbe und Flut durch die Strophen, um dem Publikum nach dem Horror im Refrain etwas Erleichterung zu verschaffen. Denn wer brav die bittere Medizin schluckt, soll sich danach auch über ein leckeres Eis freuen dürfen.
Gar keine Frage, Robitel präsentiert sich hier nicht gerade als Neuerfinder, doch die zur Verfügung stehenden Legosteine setzt er so motiviert zusammen wie ein Videospiel-Nerd sein Level im Editor eines Computerspiels. Man braucht nicht einmal zwangsläufig das Wissen der vorherigen Teile, um zu ahnen, wann und wie die Jump-Scare-Konventionen gebrochen werden. Die Stimme kommt aus dem Schrank, doch ist dort auch die sprechende Kreatur? Der geöffnete Koffer versperrt die Sicht nach hinten, doch wird tatsächlich eine Fratze dahinter warten, wenn der Koffer geschlossen wird? So langsam weiß der Zuschauer, wie der Hase läuft... und trotzdem lässt man sich irgendwie gerne verschaukeln, einfach weil es ein unterhaltsames Rätselspiel sein kann, wann und wo die Fantasie der Autoren das nächste Mal zuschlägt.
Und die Spielfreude, die ist ausgeprägter als im dritten Teil, der schematisch den immer einfallsloseren Fortsetzungen eines handelsüblichen Slasher-Streifens zu ähneln begann. "The Last Key" hat wenigstens wieder den Hauch des Originalen. Dazu bietet er noch ein wenig unverbindlichen Quatsch, der den Überraschungsei-Süchtigen in uns anspricht... obwohl hinter der Schokolade immer nur eine Plastikfigur wartet, möchten wir immer wieder hinter die Schale blicken. Einfach, weil es so schön kribbelt.
(5.5/10)
*weitere Informationen: siehe Profil