Stadt der Widersprüche
Teheran, Stadt der Tabus und der Sünden,
deinen Zwiespalt und Widerspruch scheint dieser comicartige Film zu ergründen.
Zwischen Comicheft und harter Realität,
ist es, anders als für manche Figur, für die Stadt hoffentlich noch nicht zu spät.
Unterdrückt und unfrei, in Angst und doch voller Leben,
spürt man es hier unter der kopftuchtragenden Oberfläche ständig beben.
Eine patriarchisch-scheinheilige Gesellschaft voller weggesperrter Lust,
kein Wunder, dass es da vor allem bei der Jugend heißt Flucht oder Frust.
Ein wenig das düstere Gegenstück zu „Taxi Teheran“,
doch beide Werke ergänzen sich und scheinen zu haben einen klaren Plan.
„Teheran Tabu“ ist eine animierte Schönheit doch geht auch in die Tiefe,
als ob vor einem ein gesellschaftskritischer Comicstrip in Echtzeit abliefe.
Verbundene Schicksale, verwobene Leben, erzwungenes Lächeln,
es scheint schwer zwischen Westen und Orient hin- und her zu hecheln.
Einerseits westlich und modern im Herzen,
doch gleichzeitig drücken Vater Staat und der Imam auf die Puperzen.
Angesprochen auf Tabus und totgeschwiegene Themen,
sollte solch ein Film befreien und nicht lähmen.
Irgendwo zwischen „Persepolis“ und „A Scanner Darkly“, zwischen dunkel und Farbe,
drückt man hier sicher auf die ein oder andere noch nicht verheilte Narbe.
Pulsierend. Wahrhaftig. Wütend und stark,
kann man nur hoffen, die Bevölkerung beginnt bald energisch zu denken autark.
Fazit: ein Style zum Verlieben, eine Stadt (teilweise) zum Fürchten, ein zwiespältiger Lebensstil zum Kopfschütteln - „Teheran Tabu“ ist eine moderne Animationsperle, wichtig und emotional, kraftvoll und düster. Sicher ist das nur eine Seite Teherans (und vieler orientalischer, muslimischer Städte), jedoch keine, die man unter den Teppich kehren sollte und eine, gegen die nur die nach mehr Freiheit gierende Bevölkerung selbst etwas tun kann, soll, muss. Zeitaufnahme und Kunstwerk in einem.