Staffel 1
Die "Rugrats" bekommen Schamhaare
"Big Mouth" ist die neueste Netflix-Animationsserie für Erwachsene, die im letzten Herbst gestartet ist und schon mit den ersten Trailern große Kontroversen und Shitstürme auf sich zog. Vollkommen unbegründet und unverständlich. Denn die Serie ist weder schlecht noch pedophil, weder hässlich noch semitisch - alles totaler Bullshit und schockierende Aussagen. Ob "Big Mouth" auf das Level seiner inoffiziellen Vorläufer wie "F For Family" oder vor allem "Bojack Horseman" kommt, bleibt abzuwarten, doch mir haben die wunderschön-perversen und ehrlichen 10 Folgen der ersten Staffel sehr gut gefallen. Je knapp 25 Minuten voll von Pubertät aufgedreht bis 11. Und egal wie scheinbar krank oder peinlich oder versaut die Serie wird - man kann sich einfach mit enorm viel identifizieren. Und das muss jeder zugeben. Nicht nur weil jeder durch die Pubertät geht, sondern weil Sex und Erwachsenwerden ab dem hier porträtierten Zeitraum ständig zum Leben gehören. Und verdammt witzig sein können. So unterhaltsam waren der erste Samenerguss, das Einsetzen der Menstruation, perverse Gedanken oder peinliche Eltern vielleicht noch nie. Prickelnde, zum Teil tabuisierte Themen, unverschämt leicht und frech aufbereitet. Spritzig!
Dieser kleine, dauermasturbierende Halbstarke von Serie handelt von einer Gruppe junger Jugendlicher am Anfang der Highschool, die gerade in die Pubertät kommen. Und nun hüpft wortwörtlich ein Hormonmonster in ihr Leben und es geht fast ausschließen nur noch im Sex, das andere Geschlecht, Probleme der Pubertät und noch mehr Sex. Wer zu prüde ist oder nicht zu seinen schleimigen Gedanken steht, darf direkt draußen bleiben. "South Park" oder "Drawn Together" erreichten sicher manchmal ähnlich explizite Höhen, doch so dauerhaft unter der Gürtellinie war selten eine animierte Serie aus dem Westen. Ein Hoch auf die neue Streamingfreiheit. Mir wuchsen die überforderten Jungs und Mädels schnell ans Herz und trotz des sich manchmal im Kreis drehenden Themas wurde mir nie langweilig. Ganz im Gegenteil, ich wurde fast süchtig nach den kleinen Scheissern wie diese nach Pornos... Ich hatte eine Menge Spaß und hoffe auf eine weitere Staffel, die sich dann vielleicht auch etwas mehr auf aussersexuelle Probleme einlässt. Da die Pubertät zwar viel, aber nicht nur aus Sex besteht. Das absolute Highlight ist das Hormonmonster, welches mich in seiner drastischen Unverschämtheit sehr an Rick aus "Rick & Morty" erinnert. Im Bereich Zeichentrick für Volljährige ist "Big Mouth" ein Highlight 2017. Und Teenager werden vielleicht sogar den meisten Spaß an diesem sexuellen Erwachen haben und Unterstützung und Verständnis in einer verwirrenden, schweren Zeit finden. Da mussten wir alle durch!
Fazit: immer unter der Gürtellinie, immer versaut, immer pervers, immer ehrlich - wo war dieser großer Mund vor 15 Jahren in meiner Pubertät? (8/10)