Review

Staffel 2

Bleib pervers, mein junger Wichser!

"Big Mouth" geht in seine zweite Staffel - und eigentlich ist alles wie immer bzw. im Vorjahr. Nur noch ein bißchen perverser, reifer, saftiger und cleverer. Oder das kommt mir nur so vor, weil einem die Figuren von Folge zu Folge mehr ans Herz wachsen. So oder so: es ist ein großer, süchtigmachender und berührender Spaß!

Es werden wieder allerlei Körperflüssigkeiten ausgesondert und sexy Gedanken getagträumt, es wird sich dafür geschämt und mit der fiesen Pubertät gerungen - inklusive Depressionen, Perversionen und den ganz normalen Peinlichkeiten unserer Jugend und unseres Lebens. Warum mir die Bande dauergeiler Racker nun endgültig ans Herz gewachsen ist? Hier ein paar Gründe:

- weil sich im Leben eben viele Gedanken wirklich um eben diese Themen drehen
- weil man sich sehr oft wiedererkennt
- weil "Tabuthemen" wunderschön durch den Kakao gezogen werden
- weil man sieht, dass da jeder durch muss und sich viel ähnelt
- weil man sieht, dass man nicht alleine ist/war
- weil einige wichtige, ernste Themen angesprochen werden (Depressionen, Scheidungen der Eltern, Gruppenzwang, soziale Medien, Slutshaming, Geschlechtskrankheiten u.v.m.)
- weil die Hormonmonster einfach grandios sind, egal welches Geschlecht oder Alter sie haben
- weil die Amerikaner sich mal alles andere als prüde zeigen
- weil vor allem Kinder bzw. Halberwachsene Unterstützung und Verständnis erfahren
- weil (zum Teil wiederkehrende) Gaststars wie Jordan Peele und Nebenfiguren wie Coach Steve pures Gold sind
- weil aus nichtigen, tot geredeten Themen erstaunlich tiefsinnige und scharfe Gags gekitzelt werden
- weil der Shame Wizard da ist!
- weil die Synchronsprecher grandios sind
- weil das Intro sehr fein ist
- weil sich in dieser zweiten Staffel kreativ und audiovisuell mehr getraut wird (z.B. Musicalnummern)
- weil die Serie auf den zweiten Blick gar nicht so hässlich gezeichnet ist
- weil die Freundschaft der zwei Hauptfiguren süß ist
- weil Mädchen/Frauen eine positive Message zu ihrem Körper und ihrere Sexualität bekommen
- weil Vorurteile geschickt umschifft werden
- weil die Serie immer wieder überrascht und nur selten auf der Stelle tritt oder sich wiederholt
- weil ich über diese Themen wohl immer mit am lautesten lachen können werde
- weil nie die Klasse verloren geht, egal wie tief man sich unter der Gürtellinie befindet
- weil das World Building (vor allem in der letzten Folge) vorangetrieben wird
- weil Grenzen überschritten werden, die es sich zu überschreiten lohnt
- weil die Emotionen nicht zu kurz kommen und sich echt anfühlen
- weil die zehn 25-minütigen, süchtigmachenden Episoden schnell weggeguckt sind

Fazit: sind wir nicht alle kleine Perverslinge? Wollen wir nicht alle nur das eine? Ist es nicht wunderbar, wie sich unser aller Pubertät ähnelt? "Big Mouth" klärt auf und zieht aus, rastet aus und zieht aus, reißt aus und Mauern ein. Clever, witzig, absurd und völlig normal. Feucht-fröhliche Sexualkunde für alle Ü12er. Also fast jeden von uns. Da müssen wir alle durch. Und das ist auch gut so. Eines der kreativsten Netflix-Eigengewächse! Sollte fast Pflicht sein. (8,5/10)

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