Spätestens seit „[?REC]“ ist Regisseur Jaume Balagueró Genrefans ein Begriff, auch sein packender Thriller „Sleep Tight“ konnte den Erwartungen gerecht werden. Mit der Literaturverfilmung von José Carlos Somoza verhebt er sich allerdings deutlich, denn spätestens ab Mitte verliert er mehrfach den roten Faden.
Literaturprofessor Samuel (Elliot Cowan) hat den Suizid seiner Freundin noch nicht verdaut, als er regelmäßig von Alpträumen heimgesucht wird. Als der Traum Realität wird und eine Frau ermordet wird, sucht er den Tatort auf und trifft auf Rachel (Ana Ularu) welche ebenfalls wiederkehrende Alpträume hatte. Eine Spur führt zu dem Mysterium der sieben Musen und einen ominösen Literaturzirkel…
Atmosphärisch erinnert der Stoff zuweilen ein wenig an „Die neun Pforten“, wohl auch, weil es im weitesten Sinne um geheimnisvolle Literatur, undurchschaubare Mächte und eine kaum einzuordnende Bedrohung geht. Jene Musen, die jeweils eine besondere Fähigkeit beherrschen, kommen im Verlauf allerdings viel zu kurz und werden zudem ein wenig zu klischeehaft dargestellt, wie „die, die bestraft“, welche von einer grimmig dreinschauenden Asiatin verkörpert wird.
Ein konkreter Handlungsschwerpunkt ist zudem nur schwer auszumachen: Einerseits geht es um die Macht der Musen und einigen damit zusammenhängenden Ableben, andererseits um ein merkwürdiges Artefakt in Form eines Ovals, welches in einem Aquarium gefunden wird.
Jedoch gesellen sich einige Nebenhandlungsstränge hinzu, die das Treiben unnötig verkomplizieren, wie ein klischeebeladen auftretender Zuhälter oder einen Professor (Christopher Lloyd), der scheinbar etwas mehr über den damaligen Zirkel weiß.
Das leicht Sprunghafte nimmt spätestens in der zweiten Hälfte stets ein wenig Dynamik heraus, es entstehen kleinere Längen, zumal Teile der Handlung lediglich darin bestehen, von A nach B zu gelangen, was zuweilen gar nicht mehr nachvollziehbar erscheint.
Zwar vermag sich der Showdown aufs Wesentliche zu konzentrieren und zwei kleine Wendungen sind durchaus willkommen, doch so richtig packt der Stoff bis zuletzt nicht.
Das mag auch ein wenig den schwach gezeichneten Figuren geschuldet sein, denn während Samuel zumindest noch ein wenig Background erhält, ist Rachel nur eine allein erziehende Mutter, die im Club strippt.
Während die Geschichte auf visueller Ebene zumindest hübsch verpackt ist und mit seinen vorherrschenden Grautönen eine latente Bedrohung versprüht, wird darstellerisch allenfalls Durchschnitt abgeliefert. Cowan erinnert mit seinem Hundeblick mitunter an Russell Crowe, während Ularu mit nur wenigen Gesichtsausdrücken hantiert. Christopher Lloyd erhält indes die eher dankbaren Szenen, während Franka Potente in einer weiteren Nebenrolle nur für Recherchen verantwortlich ist und folgerichtig viel in Büchern blättert.
Jaume Balagueró kann mit seinem Mystery-Thriller nicht an frühere Erfolge anknüpfen, obgleich er sein versiertes Handwerk solide ausspielt und zwischenzeitlich eine faszinierende Stimmung erzeugt. Erzählerisch kommt die Chose oft holprig daher, die Spannung bleibt phasenweise auf der Strecke und auch das Finale weiß nur bedingt zu überzeugen.
Von der Muse offenbar nur unzureichend geküsst…
5,5 von 10