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Schon seit frühester Jugend üben Monster, Dämonen, Horrorfilme und deren technische Umsetzung einen großen Einfluß auf Tim (Caleb Thomas) aus, der sich zu einem richtigen Nerd entwickelt hat und in seiner Freizeit an entsprechenden Puppen und Figuren schnitzt und bastelt. Daß man mit diesem Hobby aber auch ein bißchen einsam bleibt, merkt der etwa 17-jährige, der bei seiner Mama Linda (Sarah Lancaster) lebt, spätestens dann, als er im Kiosk um die Ecke eine ehemalige Schulkameradin trifft, die dort arbeitet.
Leider ist die attraktive April auch das Love Interest von Brian (JT Neal), einem großspurigen Angeber, der seinen Schlitten bevorzugt vor dem Kiosk parkt und dort mit seinen beiden debilen Kumpels Spaz und Chuck abhängt. Der kleinwüchsige, schmächtige Tim ist ihnen dabei ein willkommenes Opfer: das körperlich weit überlegene Trio schubst ihn herum, schlägt und tritt ihn und schüttet dessen gerade gekaufte Milch über ihm aus. Einmal kann Mama Linda ihm aus dieser Situation heraushelfen, doch ansonsten ist Tim den fiesen Typen hilflos ausgeliefert - soweit sie es mitbekommt, versucht April zwar mäßigend auf Brian einzuwirken, findet aber kein Gehör.
Am Halloween-Abend des Jahres 1981 sitzt Tim dann allein zuhause und schnitzt mißmutig an einem Kürbis, als ihm nach Lektüre eines alten Buchs unvermutet der Trickster, eine lebendig gewordene Vogelscheuche, erscheint. Das Monster schlägt ihm vor, den Spieß umzudrehen, indem er das "wahre" Süßes-oder-Saures-Spiel mit den drei Mobbern spielt. Die sind wie immer wieder am Kiosk, wo April gerade Dienstschluß hat und wundern sich nicht schlecht, als Tim dort auftaucht und sie ungewohnt mutig provoziert. Als sie ihm nachsetzen, erwarten sie allerdings einige böse Überraschungen...

In seinem 2017er Grusler The Terror of Hallow's Eve erzählt Regisseur Todd Tucker, der als Maskenbildner schon mit Steven Spielberg und anderen Größen gerabeitet hatte, die Geschichte eines Außenseiters, der allen Widrigkeiten zum Trotz an seine Vorstellungen glaubt und sich damit durchsetzen kann. Bewußt im Jahre 1981 spielend zitiert der Streifen diverse Horror-Vorbilder der damaligen Zeit und ist auch in Punkto Dialoge, Kleidung und Setting ein Retro-Horrorfilm geworden, der weniger durch die vorhersehbare Story als vielmehr durch seine liebevolle Ausgestaltung zu überzeugen vermag.

Denn gerade die nicht allzu blutigen, selbstverständlich durch die Bank handgemachten Effekte erinnern in jeder Szene an die Slasher der 1980er, wenn die als Halloween Assholes (Wandgraffiti) bezeichneten Verfolger jeweils einzeln in brenzlige Situationen mit den genretypischen Zutaten (Jump Scares, ganz nahe auftauchenden Kreaturen, Kehlenschnitte etc.) geraten.
Egal ob im bläulich ausgeleuchteten Wald, dessen das Opfer fixierende Äste direkt aus Sam Raimis 1981er Kult-Klassiker Tanz der Teufel übernommen wurden, das in Grünfilter-Optik dargebotene Puppenspiel mit den zum Leben erwachten, von Tim in seiner Freizeit hergestellten Figuren, später einem spinnwebendurchzogenen unterirdischen Labyrinth oder dem im Narrenkostüm auftretenden Jester, stets ist die Handschrift eines ausgesprochenen Horror-Fans zu erkennen. Der am Drehbuch beteiligte Regisseur, so heißt es, verarbeitet in der Figur des jungen Nerds auch Teile seiner eigenen Autobiographie.

Trotz einiger logischer Inkonsistenzen (z.B. wieso der jugendliche Rächer die Mobber jeweils allein und an verschiedenen Orten erwischt und diese nicht zusammenbleiben sowie dem Fehlen jeglicher Eingriffsmöglichkeiten von außerhalb) ist die Story stringent durcherzählt und mit Caleb Thomas in der Hauptrolle auch überzeugend besetzt, was ebenso für die den Darstellern allerdings nicht viel abverlangenden Nebenrollen gilt (nebenbei erwähnt hat auch Eric Roberts einen winzigen Auftritt).
The Terror of Hallow's Eve ist somit keine weitere Variante eines altbekannten Themas, sondern vielmehr eine Hommage an die frühen 1980er - und als solche funktioniert der sein geringes Budget ausschließlich für die Spezialeffekte verwendende, nur knapp 76 Minuten lange Streifen auch tadellos. 6 Punkte.

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