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Einfach mal das Tor zur Hölle öffnen, dachte sich wohl Co-Autor und Regisseur Paul Urkijo Alijo bei seinem ersten abendfüllenden Streifen, der über weite Teile wie ein Märchen für Erwachsene anmutet. Was auf atmosphärischer Ebene überzeugt, kann in Sachen Spannung jedoch nicht ganz mithalten.

Spanien, etwa Mitte des 19. Jahrhunderts: Schmied Patxi (Kandido Uranga) lebt wie ein Eremit im Wald und meidet die Dorfbewohner, bei denen er im Verdacht steht, einen Pakt mit dem Teufel geschlossen zu haben. Als das Waisenkind Usue (Uma Bracaglia) ihre Puppe verliert, betritt sie das Domizil des Schmiedes und entdeckt einen Jungen, der im Käfig gehalten wird. Doch der erste Schein trügt…

Stimmungsvoll ist das definitiv, was Alijo da mit recht überschaubaren Mitteln aus dem Boden stampfte. Die Kulissen fallen ebenso glaubwürdig aus wie die Requisiten, auch die Kostüme, Frisuren und Bärte sind treffend gestaltet, wobei die kontrastarme Farbgebung im Zusammenhang mit Wald und Nebel zuweilen an „Sleepy Hollow“ erinnert.

Storytechnisch geht es nicht zuletzt um grobe Vorurteile, die aufgrund von haltlosen Behauptungen, Machtkämpfen und Intrigen deutlich an Zeiten der Hexenverfolgung erinnern.
Tanzt jemand aus der Reihe, wird er rasch zum Außenseiter degradiert, was nicht nur dem Schmied widerfährt, sondern auch Usue, die wegen ihrer Narben im Gesicht und der Tatsache, dass sich ihre Mutter umbrachte, häufig von Gleichaltrigen drangsaliert wird.
Folgerichtig finden sich im Verlauf zwei Gescholtene, die einen leichten Sympathiefaktor innerhalb eines ansonsten grobschlächtigen Gefüges markieren.

Allerdings mangelt es über weite Teile an Suspense, was sich primär im Mittelteil offenbart, als diverse Instanzen spekulieren und erschreckend wenig Bewegung im Spiel ist. Nach minimalen Twists gibt es nicht mehr viel zu entdecken, wobei das Finale zumindest versucht, mit dem vermeintlichen Gang zum Höllenfeuer ein paar kleine Effekte einzubringen.
Zwischenzeitlich steht der Dämon Sartael stark im Vordergrund, was aufgrund der schlichten Latexmaske und einigen fast schon selbstironischen Einlagen ein paar Schmunzler entlockt, allerdings nicht gerade zur Spannungssteigerung beiträgt. Besser sind einige Gestalten in der Hölle ausgefallen, obgleich diese im Qualm des Fegefeuers nicht immer deutlich auszumachen sind.

Kleine Highlights bilden die morbide Behausung des Schmiedes nebst unzähligen Kreuzen im Eingangsbereich und auch die eher unvermittelte Verwandlung in einen Dämon überrascht positiv. Ansonsten lebt der Stoff mehrheitlich von seiner düsteren Stimmung, den treffend besetzten und ordentlich agierenden Mimen und der detailverliebten Ausstattung.
Das Mitreißende und das Boshafte fehlen ein wenig, aufgrund einer unzureichenden Bedrohung geht es nur selten etwas spannender zu, doch hinsichtlich baskischer Folklore vermag die Stimmung einiges zu kaschieren.
6 von 10

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