Review
von Leimbacher-Mario
Du bist deiner eigenen Hölle Schmied
Wie eine fesselnde Kreuzung aus "Legend", "Frankenstein" und "Pan's Labyrinth" - "Errementari" auf Netflix muss man als ausgesprochenen Geheimtipp kennzeichnen. Ich wette bei solchen "weggeklauten" Titeln, ärgern sich die Macher eines Fantasy Filmfests doppelt und dreifach über Netflix. Das Wort Horror muss man allerdings erstmal beiseite schieben, denn es ist viel mehr ein düsteres Märchen aus dem Baskenland. Hat man sich damit allerdings abgefunden, dann fasziniert die finstere Fabel über einen bösen Schmied, der den Teufel gefangen hält, und ein kleines ungezogenes Waisenmädchen, dessen Neugier sie zu nah an dieses Schauspiel führt...
Baskisch hört man nicht allzu oft in Filmen, doch es passt zu diesem teuflischen Treiben perfekt. Rau, kantig, nicht ohne (bösen) Witz. Brennend süß. "Errementari" ist weit mehr als ein Horrorfilm, weit mehr als man erwartet, spielt weit über seiner Budgetliga. Er verbindet den Schwarzhumor seines Produzenten Alex de la Iglesia mit einem magischen Realismus ala Del Toro. Das kommt bei mir richtig gut an. Das Setdesign ist exquisit, die Atmosphäre stickig, die Jungdarstellerin nicht nervig und das dämonische Make Up handgemacht und tadellos. Die bei den Basken legendäre Böse-Nacht-Geschichte wird zu jeder Sekunde ernst genommen und verkommt nie zu Kitsch oder leerer Ambition. "Errementari" entführt für 100 Minuten in eine andere Welt voller Magie und Wunder - nur eben eher aus dem siebten Kreis der Hölle importiert. Und egal wie heiss dort gebrutzelt wird, es darf dort wohl auch mal gelacht werden. Denn Teufel kochen auch nur mit Wasser und sind irgendwie auch nur Menschen.
Fazit: ein Horrormärchen der Extraklasse. Da wäre selbst Del Toro Stolz drauf. Und das Baskenland kann das ebenso sein. Und Netflix auch. Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Eine Fabel des Fürchtens und der Liebe. Für Gourmets des Liebenswert-Abgründigen. Ziemlich episch!