Das Baskenland wenige Jahre nach dem innerspanischen Bürgerkrieg der 1830er Jahre: der Regierungsbeamte Alfredo (Ramón Agirre) trifft in geheimer Mission in einem kleinen Dorf ein. Sein Ziel ist der etwas abseits wohnende und seit Jahren von der Dorfgemeinschaft gemiedene Schmied Patxi (Kandido Uranga), von dem es heißt, daß er nicht nur gewalttätig sei, sondern auch mit dem Teufel im Bunde stünde. Zunächst möchte niemand den Offiziellen zur Schmiede begleiten, doch als der Zweck der Mission - die Bergung eines im Krieg abhanden gekommenen Goldschatzes - ruchbar wird, finden sich dann doch einige Freiwillige ein. Der erste Besuch dort gerät jedoch zu einem Misserfolg, da die wackeren Helfer vor lauter Angst die vielen auf dem Grundstück aufgestellten Tierfallen übersehen und schließlich Hals über Kopf flüchten.
Eintritt in die verrufene Schmiede kann sich dafür das beim Pfarrer aufgewachsene Waisenkind Usue (Uma Bracaglia) verschaffen, wenngleich auf ganz andere Weise: böse Spielkameraden hatten die Puppe der etwa 6-jährigen zerstört und deren Kopf über den stachelbewehrten Zaun der Schmiede geworfen. Das unerschrockene Mädchen schlich sich daraufhin durch das Tor und gelangte so zur Schmiede, wo es von flehenden Rufen angelockt einen kleinen Buben in einem Käfig bemerkte: der bat sie inständig, ihm den Schlüssel am Gürtel des Schmieds zu bringen, welcher gerade seinen Rausch ausschlief. Gesagt und getan, doch kaum entsteigt der Bub dem Käfig, verwandelt er sich in den leibhaftigen Teufel - mit Hörnern, langem Schwanz und Dreizack...
Ein stimmungsvolles Märchen für Erwachsene ist der erste Langfilm des spanischen Regisseurs Paul Urkijo Alijo geworden: basierend auf einer uralten und in vielen Varianten überlieferten Sage thematisiert Errementari den ewigen Wettlauf zwischen den Menschen und den Mächten der Finsternis. Doch während in den meisten Märchen der listige Teufel über die allzu gierigen Menschen obsiegt, die ihm für weltliche Güter ihre Seele verpfänden, hat es der Gehörnte im vorliegenden Fall mit einem äußerst zähen und gewitzten Menschen - dem Schmied - zu tun, dem es gelang, den Teufel zu überlisten und sogar einzusperren. In diese fragile Konstellation platzt nun ein gutherziges kleines Mädchen, das arglos den Beelzebub freiläßt, was dieser sofort ausnutzen will...
Daß es sich bei dem prächtig hergerichteten Höllenfürsten nicht um Luzifer persönlich, sondern "nur" um einen Unterteufel, den Dämon Sartael (Eneko Sagardoy) handelt, der noch dazu ständig um seine Position verhandeln muß, da er seinen Auftrag, die Seele des Schmieds zu holen, nicht erfolgreich durchzuführen in der Lage ist, macht den Charakter des Gehörnten zunehmend interessant. Auch daß der Schmied seinen Gefangenen nicht nur mit den üblichen Utensilien wie einem glühenden Kreuz oder geweihten Glockenklängen in Schach zu halten vermag, sondern diesen mit dem verstreuten Inhalt einer Dose Kichererbsen geradezu zu quälen vermag (der Teufel muß diese unweigerlich zählen, woran ihn das vom Schmied genüsslich zelebrierte ständige neuerliche Zerstreuen hindert) fügt dem Plot eine ungewohnte, humoristische Note hinzu. Trotz weiterer Szenen, die durchaus zum Schmunzeln anregen, gleitet Errementari jedoch erfreulicherweise nie in Komödiengefilde ab, sondern balanciert gekonnt zwischen Mystery-Märchen und Phantasiegeschichte.
Darüber hinaus überzeugt der Streifen mit seinen sorgsam gewählten Bildern von kargen Landschaften, dem mächtigen Eingangstor zur Schmiede (dessen Inneres durch stets unruhig flackerndes Feuer erleuchtet wird) und den passend gekleideten, mißtrauischen bis verschlagenen Dorfbewohnern und erzeugt damit eine zur Story passende, stets bedrohlich wirkende Atmosphäre, in der man sich, begünstigt durch den seinerzeit vorherrschenden Aberglauben, das Wirken des Teufels gerne vorzustellen vermag - wie im Märchen der Kindheit eben. Der optisch fulminante Auftritt des Leibhaftigen mit dessen unerwartet wankelmütigem Wesen setzt dann die Glanzlichter in diesem - dank der Dialogregie - modern gehaltenen Märchen. Errementari ist eine sehenswerte Interpretation der baskischen Sage und dabei durchaus auch für eine Zweitsichtung geeignet: 8 Punkte.