Nach Streifen wie „Hitman“ oder „Frontiers“ lässt es Regisseur Xavier Gens bedeutend ruhiger angehen. Sein Fantasy-Abenteuer kommt wie eine Mischung aus „Shape of Water“ und „Moby Dick“ daher und punktet primär durch seine intensive Atmosphäre.
Im September 1914 lässt sich ein Mann (David Oakes) auf eine kleine Pazifikinsel bringen, wo er für ein Jahr das Wetter studieren soll. Noch in der ersten Nacht wird seine Hütte von amphibienartigen Wesen attackiert und er muss sich kurz darauf mit dem grimmigen Leuchtturmwärter Gruner (Ray Stevenson) arrangieren. Jener hält eines dieser Fischwesen als eine Art Haustier, welches Aneris (Aura Garrido) genannt wird. Während die Männer Nacht für Nacht auf dem Leuchtturm Wache halten und diverse Angriffe abwehren, entwickelt sich eine ungewöhnliche Dreierkonstellation mit Folgen…
Oftmals wird der erste optische Eindruck im Verlauf noch verstärkt, was im vorliegenden Fall positiv ausfällt: Starke Kamera, eine schroffe und gleichzeitig anmutige Inselgegend und zwei eigenwillige, markante Figuren, die sich in die vermeintlich freiwillige Isolation zurückziehen.
Dazu die Fischwesen, die ein wenig an die aus „Avatar“ erinnern, wobei Aneris rasch Mitleid hervorruft, zumal ebenso schnell klar wird, dass Gruner bereits jegliche Form von Empathie und Mitgefühl verloren haben dürfte.
Leider geht der Stoff in einigen Punkten nicht allzu sehr in die Tiefe. Es wird nie erörtert, warum der junge Namenlose auf die Insel wollte, noch was es mit Gruners Vergangenheit auf sich hat. Zudem wird die Angriffslust der Hybriden nie hinterfragt und auch die Interaktionen zwischen Mensch und Tier werden oftmals nur oberflächlich gestreift. Stattdessen gibt es zahlreiche nächtliche Angriffe abzuwehren, was mit der Zeit ein wenig ermüdet und im Verlauf kaum neue Facetten einbringt. Jedoch vermag das letzte Kapitel mit einigen starken Szenen zu versöhnen und auch die Frage, wer hier wen dominiert, wird eindeutig geklärt.
Neben Fragen über Co-Existenz und Machtverteilung, Entstehung von Eifersucht und Gedanken im Hinblick auf Kolonisation steht vor allem der Aspekt, inwieweit ein Dasein selbstbestimmt sein kann.
Neben den gelungenen Landschaftsaufnahmen und dem auffallend emotional arrangierten Score sind es primär die drei Mimen, die die Einsamkeit der Szenerie jederzeit überzeugend zum Ausdruck bringen. Hüne Stevenson kommt nicht nur mit physischer Präsenz daher und hat gegen Ende ein paar starke Szenen, Oakes performt solide und eher zurückhaltend, während Garrido die gefühlsbetonten Szenen für sich verbuchen kann. Mithilfe des starken Make-ups und den trotz durch Kontaktlinsen völlig veränderten Augen gelingt es ihr bravourös, einige intensive Momente beizusteuern.
Obgleich über weite Teile nächtliche Action dominiert, entfaltet sich der Stoff im Kern wie ein Kammerspiel um Existenzberechtigungen und Überleben. Aufgrund der immens dichten Atmosphäre und einem leicht melancholisch angehauchten Grundton ein ungewöhnlicher Monsterfilm, der deutlich über Genrestandards hinausgeht und in einigen Belangen nachhaltig bleiben dürfte.
7 von 10