Wenn ein Genrefilm aus Brasilien in einigen Kreisen als kleiner Geheimtipp gehandelt wird, fällt so etwas natürlich aus dem Rahmen und schürt Interesse, - mal abgesehen von der nicht uninteressant klingenden Prämisse.
Arthur (Ademir Esteves) surft nachts im Darknet und kontaktiert Auftragskiller Charles (Ricardo Casalla), der zu einer bestimmten Zeit aus der Distanz zuschlagen soll. Nach Ausführung der Tat sichtet Charles eine Videobotschaft, in der Arthur ausdrücklich erzählt, warum er zu diesem drastischen Mittel greifen musste…
Autor und Regisseur Samuel Galli hat sein Debüt größtenteils im Alleingang gestemmt und schafft es über weite Teile, das geringe Budget mithilfe der versierten Kamera und recht nuanciert aufspielenden Mimen zu kaschieren. Klarer Fokus liegt auf der Figur von Arthur, dessen Beweggründe lange nicht zu durchschauen sind. Wer einen Auftragskiller anheuert, muss entweder skrupellos oder völlig hilflos sein, was rein gar nicht zum liebevollen Umgang mit Tochter Michelle (Luara Pepita) passt. Sein Aufzug mit heller Kleidung und großen Hut auf dem kahlen Haupt erinnert bisweilen an Hannibal Lector, wobei Arthur fast ausschließlich auf emotionaler Ebene handelt.
Mit Einsatz der Videosichtung gibt es einen Break und eine Art Hintergrundgeschichte wird aufgerollt, welche schließlich die zufrieden stellende Lösung parat hält.
Der Weg dorthin gestaltet sich leider alles andere als kurzweilig, da sich Galli extrem viel Zeit mit stillen Szenen lässt und ausschweifend in surrealen Gefilden wabert, die entfernt an Werke von David Lynch erinnern. Es kommen längere Szenen mit einem älteren Clown ins Spiel, die man deutlich hätte straffen können, wogegen die eigentliche Begabung Arthurs viel zu kurz angerissen wird.
Dennoch punktet das Werk durch seine latent bedrückende, zuweilen leicht melancholisch wirkende Stimmung, wozu der Score nicht unerheblich beiträgt, welcher stark an Synthesizer-Werke von Goblin über Carpenter bis hin zu Tangerine Dream erinnert. Auch Hauptdarsteller Esteves bildet einen deutlichen Pluspunkt, da er mit viel Ausdruck und gleichermaßen zurückhaltender Mimik punktet. Etwas unerwartet sind indes kurze, jedoch deftige Gewalteinlagen zu verzeichnen, in der auch mal Haut von einer Stirn abgeschnitten wird.
Alles in allem ein stimmungsvoller Streifen, der phasenweise deutlich zu langsam erzählt wird, gegen Ende jedoch mit einer moralisch positiven Botschaft zu überzeugen vermag.
Handwerklich und darstellerisch solide, erzählerisch nicht ganz auf den Punkt, insofern sollte man sich primär von der Stimmung leiten lassen.
6 von 10