Review

Der charmante Psycho ist zurück 


Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich von "Creep" sofort ein Fan war. Ganz im Gegenteil, wie meine dortige Kritik zeigt. Doch der spezielle Found Footage-Film wuchs auf mich, wie man so schön sagt. Für einen modernen Klassiker oder sehr guten Film halte ich ihn noch immer nicht, doch seine unangenehme, unberechenbare, realistische Art und sein unnachahmlicher Killer machen "Creep" besser, als es auf den ersten Blick den Anschein hatte. Er wirkt nach, würde nun von mir mehr Punkte bekommen als damals. Und Teil 2 macht genau da weiter und erweitert die Saga um den egozentrischen, scheinbar super intelligenten Stalker beeindruckend. Diesmal bekommt es unser kranker Serienkiller mit einer (vorgespielten?) Midlife-Crisis und einer Doku-Filmerin zu tun, mit der er einen unerwartet engen und bizarren Bund knüpft... 


"Creep 2" baut den psychologischen Faktor weit aus und ist weniger ein echter Horrorfilm, auch keine Horrorkomödie, sondern vielmehr ein aufschürfender und zeitweise sogar ziemlich genialer Hybrid, der es liebt Spiele zu spielen. Mit den Erwartungen, der Zuschauer wie der Figuren; mit den Erfahrungen, aus Teil 1 wie aus "normalen" Horrorfilmen; mit der Metaebene, mit den Blickwinkeln, mit bekannten Genrepfaden. "Creep 2" lässt zwei wirklich sehr bemerkenswert Figuren gegeneinanderlaufen und erweitert seinen Mythos gekonnt. Vor allem Mark Duplass als Killer mit doppeltem und dreifachem Boden ist mehr als faszinierend. Die trickreiche Fortsetzung weiß genau wohin die will und welche Knöpfe sie drücken muss, ist wesentlich sexueller, packender und vielfältiger. Ein Fest für Hobbypsychologen mit dem Hang zum Morbiden. Eine Szene mit unerwarteter Nacktheit ist besonders unangenehm, erst recht in dem Jahr von sexueller Belästigung und männlicher, aufgezwungener Dominanz. Und wer immer sehen wollte, wie es nach dem Höhepunkt aus dem Original weitergeht, wird ebenfalls befriedigt. 


Fazit: nicht so gruselig wie das Original, dafür psychologisch wertvoller und wesentlich tiefgründiger. Definitiv ist dieser Creep schon jetzt einer der interessantesten Serienkiller der jüngeren Filmgeschichte. Bleibt im Gedächtnis, trotz Längen im Mittelteil. 

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