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Seit einigen Jahrzehnten ist der Babysitter fester Bestandteil des Düstergenres. Darin fungieren sie entweder in einer Art Beschützerrolle („Das Grauen kommt um 10“) oder sie werden engagiert, um die typische Opferfigur zu bekleiden („Babysitter Wanted“). In der Horrorkomödie von Joseph McGinty Nichol, kurz McG werden Elemente von Coming-of-Age mit Home Invasion vermengt, während hin und wieder die Achtziger anklopfen.

Der zwölfjährige Cole (Judah Lewis) ist der Klassen-Nerd, der noch immer einen Babysitter gestellt bekommt. Mit Bee (Samara Weaving) hat er zwar viel Spaß, doch eines Abend beobachtet er heimlich, wie Bee mit Kumpels ein satanisches Ritual in der Wohnung abhält und dabei einen Typen abmurkst. Rasch sieht Cole sich einer Übermacht an Gegnern ausgesetzt…

Die Prämisse erinnert ein wenig an „Kevin allein zu Haus“, nur eben etwas düsterer, jedoch nicht weniger humorvoll, zumal die Gags teils unerwartet subtil sind und zu keiner Zeit unter die Gürtellinie zielen. Cole ist rasch als Sympathieträger etabliert, denn obgleich er bei der Schulimpfung unnötigen Terz veranstaltet und in der Schule regelmäßig von Bällen am Kopf getroffen wird, verfügt er über spezielles Wissen wie Polizeicodes oder aerodynamische Verbesserungsmöglichkeiten bei Kleinwagen. Bee ist hingegen die Verführerin und zugleich die beste Freundin. Sehr sympathisch etwa ist eine Szene, in der das Gespann einen per Beamer visualisierten Krimi nachspielt. Als reines Coming-of-Age hätte der Stoff wahrscheinlich ebenfalls funktioniert.

Spätestens nach dem unvermittelten Opfermord wendet sich natürlich das erzählerische Blatt und es gesellen sich einige hübsch inszenierte Splattereffekte hinzu, wie ein Metallstab im Gesicht oder ein zerplatzter Schädel. Das übliche Weglaufen, Verharren und Verstecken beinhaltet zwar nur wenige Überraschungen, doch es gibt kaum Verschnaufpausen, während einige Gimmicks wie Baumhaus oder uralte Fahrräder deutliche Reliquien vergangener Tage verkörpern.

Darstellerisch wird indes ein unausgewogenes Niveau geliefert: Lewis und Weaving überzeugen definitiv, auch Leslie Bibb als Mom hat ein paar sympathische Momente, wogegen Bella Thorne auf ganzer Linie enttäuscht und in jedem ihrer Snapchat Ergüsse glaubhafter erscheint. Auch Robbie Amell als fieser Quarterback performt völlig neben der Spur, wogegen die Auftritte von Emily Alyn Lind als eigentliches Love Interest einfach nur goldig sind.

Selbstverständlich hat man diverse Versatzstücke schon zigmal erlebt und die Story wird auch nur vage von einem relativ hohem Erzähltempo und einiger Situationskomik beisammen gehalten, doch die anspruchslose Mischung stimmt, ein paar Figuren machen Laune und obgleich es nicht allzu spannend zugeht, ist Kurzweil latent gegeben.
Bis auf die Gewalteinlagen weitgehend harmlos, aber irgendwie angenehm altmodisch und sympathisch.
7 von 10

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