Schon mehrfach setzte sich der britische Regisseur Roland Joffé mit politisch brisanten Themen jüngerer Geschichte auseinander wie in dem preisgekrönten „Killing Fields – Schreiendes Land“. Mit „Forgiven“ thematisiert er die Aufarbeitung der Apartheid in Südafrika durch die reale Figur des damaligen Erzbischofs Desmond Tutu.
Kapstadt, Südafrika, 1996: Präsident Mandela hat Erzbischof Tutu (Forest Whitaker) zum Leiter der Wahrheits- und Versöhnungskommission (TRC) ernannt. Im Zuge dessen erreicht Tutu ein Brief aus dem Hochsicherheitsgefängnis in Pollsmoor. Der offenkundige Rassist und Mörder Blomfeld (Eric Bana) wünscht ein Treffen mit Tutu, wonach zunächst nur Beleidigungen und Provokationen erfolgen. Doch was will Blomfeld tatsächlich erreichen?...
Die Kommission, die bis 1998 aktiv war, musste sich nicht ganz unberechtigte Kritik gefallen lassen, denn die Amnestie für einige Täter wurde in manchen Fällen höher gewichtet, als Entschädigungen für die Opfer, welche sich in Gerichtsprozessen die Schicksale ihrer Angehörigen anhören mussten. Die Figur des Blomfeld ist zwar fiktiv, sie steht jedoch stellvertretend für einen jener Täter, die Menschen in zwei Klassen einteilen.
Einige Zeit zählen die Aufeinandertreffen von Tutu und Blomfeld zu den eher einsamen Höhepunkten in Sachen Spannung, da die Rededuelle auf teils recht hohem Niveau ablaufen und die Belauerung und das entsprechende Kontern durchaus ihren Reiz haben. Allerdings gibt es auch einige Nebenhandlungsstränge, die nur wenig bis gar nicht zur Handlung beitragen, wie die Knastvereinigung der „28“, deren Ziele sich bis zuletzt nicht erschließen.
Auch die Opfer kommen zwischenzeitlich zu kurz und werden ein wenig einseitig dargestellt, indem sie sich zwar regelmäßig an Tutu wenden, genauere Umstände des damaligen Verschwindens jedoch kaum durchleuchtet werden. Dadurch wird dem Peiniger tatsächlich mehr Raum zugestanden als seinen Opfern, denen lediglich während eines Gerichtsprozesses ein paar Worte bleiben, während das Gemauschel der Polizei immer wieder angeschnitten wird, jedoch nur unter der Oberfläche brodelt.
Neben der soliden Ausstattung, der versierten Kamera und dem angenehm zurückhaltenden Score zählen die beiden Hauptdarsteller zweifelsohne zu den Highlights. Bana liefert eine beeindruckende Performance ab und stattet den Rassisten mit einer beängstigenden Präsenz aus. Whitaker erkennt man zunächst nur aufgrund seiner markanten Augen wieder, Haare und Nase wurden stark verändert, die bekannte Synchro von Tobias Meister hilft zwar auch, doch diese will ausnahmsweise nicht so recht zum alternden Erzbischof passen, den Whitaker mit einer phasenweise überaus sympathischen Selbstironie gegenüber seiner Frau ausgestattet hat.
Schade, dass das Drama um Tutu und Themen wie Versöhnung, Vergebung und Wahrheitsfindung dramaturgisch unausgegoren daherkommt und mit einer Laufzeit von 120 Minuten über weite Teile eher unentschlossen vor sich hin mäandert. Schon aufgrund der stark aufspielenden Mimen wäre da deutlich mehr drin gewesen, als eine einzige emotional berührende Szene im finalen Akt.
5,5 von 10