Es ist natürlich deutlich zu hoch gegriffen, vorliegenden Genremix als eine Kreuzung aus „Don't Breathe“ und „Der Exorzist“ zu bewerben, doch tatsächlich hat man es mit einer Symbiose aus Home Invasion und Besessenheitsthriller zu tun.
Die drei Schwestern Maria, Camila und Ana brechen in die Villa des Senators Jose ein und nehmen ihn und seine Frau als Geisel. Als sie Geräusche aus dem Keller wahrnehmen, stoßen sie auf die ans Bett gefesselte Tochter Tamara (Natasha Cubria) und wollen sie ins Krankenhaus bringen, wovor ihre Eltern dringend abraten. Dann verschwindet Tamara und setzt eine Reihe von unheimlichen Ereignissen in Gang…
Interessant wird die Geschichte eigentlich erst, als sich Elemente von Einbruch und Geheimniskrämerei vermengen, obgleich man früh den Teufel in dem Mädchen wähnt.
Leider wird versäumt, den Schwestern eine brauchbare Figurenzeichnung zu verpassen, da reichen Rückblicke in eine Missbrauchskindheit nur bedingt aus, um Empathie für bestimmte Verhaltensweisen zu schüren. Was folgt, sind Misstrauen, Ungläubigkeit und ein Pendeln zwischen Hilfsbereitschaft und Hilflosigkeit.
Wodurch das Geschehen definitiv auf ganzer Linie punktet, ist die breit grinsende und verschlagen dreinblickende Tamara, die ein ums andere Mal für leichte Gänsehaut sorgt.
Cubria performt großartig und mithilfe des gelungenen Make-ups dürfte es sich zweifelsfrei um eine Besessene handeln, die einen bleibenden Eindruck hinterlässt, - auch ohne im Raum zu schweben, sich die Glieder zu verbiegen oder in Latein zu fluchen.
Natürlich ist der Dämon allwissend und weiß sämtliche Anwesende gegeneinander auszuspielen, denn kleine und große Geheimnisse hüten sie alle, auch wenn dies in geballter Form ein wenig überkonstruiert erscheint.
Als schließlich noch ein Kardinal aufkreuzt, gerät das Treiben zwar arg konventionell, dennoch wird für die eine oder andere Wendung gesorgt, zumal zwischenzeitlich gekonnt falsche Fährten gelegt werden.
Obgleich sich das Treiben fast ausschließlich in der Villa abspielt, sind die teils verwinkelten und bewusst schwach ausgeleuchteten Räumlichkeiten für kurze jump scares zu gebrauchen, der Score beschränkt sich auf dumpfe Soundteppiche und überlässt den Umgebungsgeräuschen den Vortritt, wodurch phasenweise eine leicht bedrückende Atmosphäre entsteht.
Auf handwerklicher Ebene ist dem Werk des uruguayischen Autors und Regisseurs Guillermo Amoedo trotz des überschaubaren Budgets nichts anzukreiden, darstellerisch wird solide geliefert und die Location erweist sich als durchaus tauglich.
Abgesehen von einigen Logiklöchern und irrationalen Verhaltensweisen spielt der Stoff weitgehend gekonnt mit der Erwartungshaltung des Betrachters und setzt anbei ein paar deutliche Seitenhiebe in Richtung katholische Kirche.
Insgesamt hält sich die Spannung in Grenzen, Blutvergießen ist im Grunde nicht auszumachen, dafür punktet das Werk mit einigen atmosphärischen Spitzen und vermag mit manchen Finten die Laune aufrecht zu erhalten.
6,5 von 10