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Marvel hat zu einer neuen Erfolgsformel gefunden und verpasst ausgerechnet dem AVENGERS-Helden mit der pathetischsten Mythologie die GUARDIANS OF THE GALAXY-Behandlung. THOR bekommt sogar einen eigenen „Groot“ (im Original gesprochen von Regisseur Taika Waititi selbst in seiner herrlich höflichen Art). Das Ergebnis ist – bei allem unbestreitbaren Unterhaltungswert – nur halb befriedigend.

Wem es ausreicht, sich an einer bonbonbunten Sketchparade zu erfreuen, der kommt hier voll auf seine Kosten: Cameos und Gaststars aus dem MCU wechseln sich in überraschenden Kurzauftritten ab, in ansehnlichem 3D inszenierte Rückblenden und Slow-Motion-Kampfszenen wirken wie Deleted Scenes aus einem Zack Snyder-Film, Cate Blanchett und Jeff Goldblum stehlen sich in jedem ihrer Auftritte ein Stück des Films, Sets, Ausstattung, Masken und Kostüme könnten teilweise glatt aus einem Luc Besson-Spektakel stammen.

Was dem Film hingegen fehlt, ist ein roter Faden, eine ordentliche Story und emotionaler Drive. Hatte man – um beim vielzitierten Vergleich zu bleiben – bei GUARDIANS noch ehrlich empfundenes Mitgefühl mit einem animierten Waschbären, so lassen einen in THOR sogar die menschlich scheinenden Figuren kalt. Wenn Götter sich bekriegen, steht eben nicht wirklich viel auf dem Spiel und der einzige Mensch in diesem Film verwandelt sich ohnehin bei Gefahr in einen grünen Computereffekt.

Apropos Effekte: Auch diese bietet der neue THOR natürlich wieder reichlich und natürlich sieht das auch fast alles gewohnt sauber und professionell aus (bis auf die arg artifiziellen Szenen in Norwegen), aber es gibt bei all der Action diesmal keinerlei Neuerungen und man ist der Materialschlachten mittlerweile so überdrüssig, dass man schon sehnsüchtig darauf wartet, dass mal wieder etwas Lustiges passiert. Zum Beispiel, dass Taika Waititi als nächstes wieder eine reine Komödie macht (das Sequel zu WHAT WE DO IN THE SHADOWS – WE’RE WOLVES – hat er jedenfalls schon mal angekündigt).

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