Thor Tag der Entscheidung
In der germanischen Mythologie gibt es einen Endzeitmythos – Ragnarök. Es beginnt, wenn Baldur, der Liebling aller Asen, durch eine Intrige Lokis stirbt und endet mit Zerstörung und Wiedergeburt der Welt.
Dieser mythologische Überbau (zu dem auch Götterwolf Fenris gehört, der auch einen Auftritt hat) bildet den mehr als groben Rahmen für das dritte Abenteuer des zum Superhelden gewordenen Donnergottes.
Das MCU neigt leider mit zunehmender Laufzeit immer mehr zur Gigantomanie, die zu Lasten einer klaren, gut erzählten Geschichte geht. Beispiele dafür sind Captain America Civil War und die Übergurke Spider-Man Homecoming. Guardians of the Galaxy 2 und Doctor Strange haben mich wieder versöhnlicher gestimmt, aber nicht völlig überzeugt. Der nächste Eintrag war dann Thor 3. Den ersten fand ich recht lahm, den zweiten klasse. Allerdings muss ich zugeben, dass mich nichts auf den schieren Wahnsinn des dritten Teils vorbereitet hat.
Den Machern scheint die sehr bemühte Gravitas des MCU bewusst geworden zu sein – und ihnen war einfach alles egal. Chris Hemsworth will einfach Spaß haben, das Drehbuch lässt ihn. Es ergibt sich eine wilde Hetzjagd durch Utgard, Asgard, die Erde und die Arena des Gamemasters (Jeff Seth Brundle Goldblum!), mit Loki und einer waschechten Walküre, plus einem wie immer übellaunigen Hulk (den hat es nach Avengers 2 dahin verschlagen) im Schlepptau. Anthony Hopkins veredelt den Eintopf mit ein paar Kalendersprüchen, bevor er in Rente, also sterben, darf (okay, danach macht er weiter) und in einer herrlich albernen Sequenz schaut Benedict Cumberbatch als Strange vorbei. Als Actionhöhepunkt dürfen dann Thor und der Hulk als Gladiatoren die Sch… aus einander herausprügeln, bevor im Finale ein Eisriese Asgard mal eben in Schutt und Asche legt, um die Bewohner zu retten.
Das alles passiert mit großem Verve und noch mehr Selbstironie und ist deshalb herrlich anzuschauen. Man hat das Gefühl, hier hätte jemand eine Thor-Parodie gedreht, aber mit allen Figuren, Schauspielern und dem Budget des Originals (eine kurze Thorparodie findet sich auch innerhalb des Films als Theaterstück, Game of Thrones lässt grüßen). . Als solche ist der Film unglaublich gelungen – auch wenn es kracht und scheppert, bringt der Film endlich wieder ein wenig Leichtigkeit ins MCU, die auch die Guardians auszeichnet und die anderen Einträgen mittlerweile leider völlig abgeht.
Hemsworth ist die ideale Besetzung als Held, der sich seiner Sache so sicher ist, dass man herzhaft lacht, wenn er mal wieder daneben liegt, ihm aber abkauft, dass er das Heldentum am Ende natürlich auf die Kette kriegt. Die dankbare Rolle des Loki setzt dabei wieder Kontrapunkte, während Jeff Ian Malcolm Goldblum einfach völlig überzogen durch die Szenerie kalauert, dass es eine Freude ist. Insgesamt ein großer, harmloser Spaß, der 2 Stunden toll unterhält.