Auch die kleinen Filme verdienen Anerkennung. Ulrich Köhlers sehr zeitgemäßes und sensibles Jugendporträt "Bungalow" handelt von Paul, der keine Lust mehr auf Bundeswehr hat und einfach nach Hause abhaut, um dort eine schöne Zeit zu haben, während seine Eltern gerade im Urlaub sind. Doch einiges hat sich seit seiner Jugend geändert. Seine alte Freundin hat ihn scheinbar verlassen und er selbst weiß nicht so recht mit seinem Leben in Selbstverantwortung und Freiheit umzugehen. Als dann auch noch sein älterer Bruder mit seiner dänischen Freundin auftaucht, ist Paul gänzlich verwirrt. Zwischen (sexueller) Neugier nach der reifen Schauspielerin, alten Zuneigungen zu seiner Freundin, halbherzigen Plänen von einem Auswandern nach Afrika und den Problemen mit dem Bund und seinem vernünftigeren Bruder, kommt er in Konflikt mit sich selbst, mit seinem Umfeld und mit dem Leben - die große unerforschte, unangenehme Leere .
Die Geschichte ist zwar unspektakulär und auch kaum lustig (wie es in den Jugendfilmen fast ausschließlich der Fall ist), doch weiß sie trotz ihrer Schlichtheit, Lakonie und Trockenheit spannend zu sein. Der Grund liegt wohl darin, dass diese nüchterne, trockene Porträtierung einer etwas ziellosen, frühreifen Generation einfach adäquater erscheint, als lustig aufgemachte, überzeichnete Erinnerungen von verrückten, meist realitätsfremden Jugendabenteuern. Der Prozess seiner Suche nach sich und seinen Vorstellungen, die Fehler die Paul dabei macht, die Grenzen an die er stößt, das ist das Spannende und Interessante. Dank der verdammt ehrlichen, ungeschönt schnörkellosen und sensiblen Darstellung vermag das auch zu fesseln, sodass die tristen, kargen und statischen Bilder die Stimmung nur verstärken.
"Direct Cinema" im Kleinformat, sozusagen. Schließlich muss der Held des Films am Ende die Realität akzeptieren, seine Vorstellungen von der Erfüllung seiner Träume überdenken, sowie seine Naivität, die sich unter anderem in Egoismus und Intoleranz gegenüber anderen äußert, einsehen. So wie ihm die Tür in die Zukunft schließlich offen steht, so schließt die vielschichtige Erzählung auch in einer originellen Variation eines offenen Endes. Seine Entscheidung.
Unscheinbar, aber anspruchsvoll, erwachsen und fesselnd. 9/10