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Das Prinzip von Escape Room ist für Klaustrophobiker eher ungeeignet, denn die Spieler haben in der Regel 60 Minuten Zeit, mithilfe von logischem Denken, Kombinationsgabe und genauer Beobachtung einen Raum zu verlassen. Das ursprünglich aus Japan stammende Spiel kann mittlerweile auch in deutschen Großstädten gespielt werden, sogar in Bielefeld.
Es war also nur eine Frage der Zeit, bis jemand das Thema aufgreifen und daraus einen Horrorthriller basteln würde.

Tyler erhält an seinem 30. Geburtstag einen Escape Room -Gutschein für sich und seine Freunde. In Champagnerlaune geht man der Einladung nach und landet schließlich in den besagten Räumlichkeiten, teilweise voneinander getrennt oder aneinander gebunden. Es müssen aufeinander aufbauende Rätsel gelöst werden, welche allerdings eine gefährliche Wendung nehmen…

Die Mischung aus „Saw“ (in einer blutarmen Variante) und „Maniac Manson“ (dem C-64 Computerspiel) benötigt eine ganze Weile, die überwiegend versnobbten Figuren einzuführen (über 1300 Dollar für ein Abendessen mit sieben Leuten), von denen niemand als Identifikationsfigur taugt. In den Spielräumen angekommen, wird es indes interessant, denn allein die Ausstattung lädt zum sofortigen Miträtseln ein. Hier ein riesiger Stapel Zeitungen, dort einige Wanduhren, Tierbilder, ominöse Karten, ein Zahlenschloss und alles frei von Anleitungen, denn obgleich jemand die Lokalität per Kamera observiert, mischt sich kein Spielleiter ein.

Das fördert wiederum eine leichte Willkür zutage und einige Lösungswege kommen arg konstruiert daher, wie etwa das Passwort zum Öffnen einer Tür oder die Verwendung von Uhrzeigern. Mal abgesehen von einem Knutschpaar sind alle mit Ehrgeiz bei der Sache, was zumindest minimale Sympathie aufkommen lässt. Dramatisch wird es allerdings erst nach knapp einer Stunde, als etwas Tödliches durch eine Öffnung geleitet wird. Explizites Dahinsiechen sollte man hingegen nicht erwarten.

Der Showdown gerät zwar einigermaßen spannend, doch die Abläufe danach stiften ein wenig Verwirrung und lassen mindestens zwei Interpretationsmöglichkeiten zu, gleichermaßen wäre eine Fortsetzung möglich. Mit besseren Figurenzeichnungen und etwas mehr Mut bei den Gewaltdarstellungen könnte das durchaus reizvoll sein, - so bleibt es bei einem vergleichsweise harmlosen Rätsel - und Fallen-Film, der nach Anlaufverzögerungen okay unterhält, sein Potential jedoch nicht voll ausschöpft.
Knapp
6 von 10

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