Die Welle der Folterfilme, oftmals auch als Torture Porn gekennzeichnet, ebbte spätestens mit „Hostel 3“ ab, als man an frühere Erfolge anknüpfen wollte, aber eigentlich keine neuen Impulse mehr hinzufügen konnte. Im Grunde also erfreulich, dass sich mit Autor und Regisseur Joshua Shreve jemand findet, der bewusst gegen den Strom schwimmt.
Drei Freunde um Lindsay wollten eigentlich im Großraum Kentucky campen, doch kurzerhand nehmen sie einen Umweg in Kauf, um den Horror-Vergnügungspark „Talon Falls“ mitzunehmen. Dabei wundern sie sich zunächst nicht, dass einige Attraktionen wie Szenen auf einem Folterstuhl erschreckend realistisch aussehen…
Als Kulisse diente tatsächlich Talon Falls in Kentucky, welche speziell an Halloween jede Menge Besucher anlockt. Auf kurz oder lang wahrscheinlich ein paar mehr, denn eine bessere Publicity dürfte kaum möglich sein. Obwohl, dafür müsste der Streifen ein wenig nachhaltiger sein, was er aus verschiedenen Gründen nicht ist.
Da sind einerseits die vier schwach gezeichneten Figuren und die dazugehörigen Mimen, die wahrscheinlich nicht gerade auf dem Weg zum Hollywood-Olymp sind. Mal abgesehen von der herrlich makaberen Grundidee, die Grenzen zwischen Geisterbahn und Folter verschwimmen zu lassen, dürfte die Erzählung andererseits keinen Innovationspreis gewinnen, da die nach üblichen Mustern ablaufende Handlung zahlreiche Mechanismen hinlänglich bekannter Vorbilder bedient.
Einschließlich gravierender Logiklöcher: Vor dem Gelände warten zahlreiche Besucher auf Einlass, unter anderem auch Minderjährige, - viel Spaß beim Jugendschutz hinsichtlich des Folterschaufensters. Anno 2017 werden Inhalte von Snuff noch per VHS vertickt und von den unzähligen Besuchern hat noch niemand den Braten der echten Gewalteinlagen gerochen. Gut, wenn die Opfer ausschließlich um Hilfe schreien, anstatt die Echtheit ihrer Lage zu verdeutlichen. Über irrationale Verhaltensweisen beider Lager bei direkter Konfrontation muss man fast schon nicht mehr eingehen, sind Beiwerk des gängigen Slashers.
Wobei dieser mithilfe einiger Foltereinlagen wie Ohr ab oder herausgerissenem Fußnagel durchaus Tempo und Atmosphäre aufzuweisen vermag, einschließlich einer ausgedehnten Hatz durch labyrinthartige Baracken, mit Leichengrube als kleine Zugabe.
Die Masken der Erschrecker können sich ebenso wie die der Peiniger sehen lassen, die Kamera arbeitet weitgehend ordentlich und auch der Score bemüht sich mit Erfolg um ein passables Timing.
Die zeitweilige Sicht per Überwachungskameras schürt die dreckige Atmosphäre und relativiert kurze Gewalteinsätze ein wenig, ein Wachhund ist indes ordentlich dressiert und auch der passende Ausgang fügt sich nahtlos in die Grundstimmung ein.
Mit gerade einmal 75 ungeschnittenen Minuten eine angenehm knackige Laufzeit, in der sich zwar viel Bekanntes und kaum Innovatives abspielt, doch für eine einmalige Sichtung ohne sonderlichen Anspruch langt es noch.
5,5 von 10