Dass der Ersatz für den privat angeschlagenen Zack Snyder mit Joss Whedon gewählt wurde, schien nach dessen The Avengers – Zweiteiler (2012/2015) erst ein Clou, ein Coup zu sein, entwickelte sich aber schnell ähnlich wie ein paar Jahrzehnte zuvor die Geschichte mit der Absetzung von Richard Donner durch Richard Lester, ein ganz anderer Film als ursprünglich gedacht und gemacht, vernichtende Kritik und späte Rehabilitation durch einen neuen, den ursprünglich im Vorhanden geplanten Schnitt. Inwieweit Whedon selber daran Schuld ist, lässt sich im Nachhinein schwer klären, es ist selten nur ein Mann an der Maschine, es sind viele Zahnräder, es ist ein Produkt und eine Riesenproduktion, die wird nicht bloß dem Regisseur überlassen, einiges ist geändert, einiges ist übernommen, vieles ist gekürzt, dazu eine andere Trickmaschinerie, wennschon, dennschon:
Steppenwolf [ Ciarán Hinds ] und seine Legionen von Paradämonen versuchen, die Erde mit den vereinten Energien der drei Mother Boxes zu übernehmen. Der Versuch wird von einer vereinten Allianz vereitelt, die die olympischen Götter, Amazonen, Atlanter, die Menschheit und außerirdische Wesen umfasst. Die Mother Boxen sind getrennt und an verschiedenen Orten versteckt. Tausende von Jahren später reaktiviert Supermans Tod nach dem Kampf mit dem Doomsday die Boxen und lockt Steppenwolf erneut auf die Erde. Sein Ziel ist es, die Kisten zu sammeln, um "Die Einheit" zu bilden, die die Erde sofort verwüsten und sie in eine Kopie seiner Heimatwelt terraformen würde. Die Justice League, bestehend aus Bruce Wayne / Batman [ Ben Affleck ], Clark Kent / Superman [ Henry Cavill ], Diana Prince / Wonder Woman [ Gal Gadot ], Barry Allen / The Flash [ Ezra Miller ], Arthur Curry / Aquaman [ Jason Momoa ] und Victor Stone / Cyborg [ Ray Fisher ], samt Unterstützun der Menschen Lois Lane [ Amy Adams ], Alfred Pennyworth [ Jeremy Irons ], und Martha Kent [ Diane Lane ] stellt sich dem in den Weg.
Ein Epos sollte es werden, eine Zusammenführung zum Opus Magnum, die Voraussetzung für Spinoffs, "Was ist das Beste am Planeten Erde?" die erste Frage, die entscheidende, Snyder auch im Vorspann erwähnt, Batman tritt in Aktion, er stellt einen Einbrecher, oben auf dem Hochhausdach, ein Nebenschauplatz, ein mysteriöser Kampf, der Angriff eines metallenen Wesens, dessen Selbstzerstörung, die eigene Exekution, auch Superman wird als tot erklärt und eingeführt, Affleck vor Cavill genannt, eine Reise nach Metropolis, in die nächste Großstadt, eine gemeinsame Reise, ein gemeinsames Universum. Eine Ballade wird eingespielt, lauthals angeklagt später mit mehr Kraft durch den Soundtrack, "I tried" als schriftliche Auskunft, ein Überfall geplant. Schießereien und Tote im Bild, ein Bankraub geplant, im großen Stil von reaktionären Terroristen, Wonder Woman unter den Rock geschaut. In Zeitlupe und Zeitraffer erfolgt die Gegenwehr, die Effekte eher mäßig, die Verteidigung erfolgreich, jede einzelne Figur auch einzeln vorgestellt, der Zusammenschluss später, das Team über die Zeit gebildet, Affleck ist die Mitte des Kreises, er ist im Zentrum, schauspielerisch, den anderen auch überlegen. Kurze Kommunikation wird geboten, es geht schnell an die Front, in die Vollen, die Paarung Affleck und Irons ist auch gelungen, zwei richtige Darsteller, Märchen und Geister-Geschichten, das einfache Leben.
Es wird auch etwas Tragik und Dramatik eingeflochten, ein Gefängnisbesuch, einige Absagen, viel Alleinsein, noch schlimmer, viel Einsamkeit, viel für sich Dahinleben, "I tried". Ein Blockbuster mit Sinn für Gespür sollte es werden, sich abheben von dem bunten Marvel-Einheitsbrei, ein Gegenüberstellen, ein Aufbauen von Konkurrenz, ein Abhaben wollen vom Kuchen, mit anderer Herangehensweise, aber gleicher Konsequenz. Viele Verluste und Entstellungen werden hier gezeigt, viele Fehler gemacht, Entschuldigungen nicht angenommen, die Figuren hier voll von Wut und Angst und Hass und Furcht, dafür sehen manche Übergänge (oder gerade auch Steppenwolf) aus wie bei The Asylum. Eine massive Actionszene rein aus dem PC, ohne Wirkung, ohne Effekt, eine Gegenwehr zu spät, ein Warnfeuer entfacht, ein digitales Streben; auch Frau Lane sieht aus wie ein 'rumgeschlurfter Geist', auf alt getrimmt, auf Oma gemacht, schwer zu ertragende Nachrichten, die Gespräche zwischen ihr und Adams ein Grund zum Abschalten, eine Szene für den Schneideraum, auch das Grübeln von Cyborg, kein Wunder, dass daraus kein Einzelfilm entstand, das hat auch nichts mit der Behandlung oder Misshandlung des Darstellers am Set zu tun; es steht ein Angriff bevor, mit Gimmicks und MacGuffins hantiert, von Planeten zu Planeten gebracht, Harmonie entstanden aus Schrecken, ein erstes echtes Gespräch nach etwas mehr als einem Viertel dargeboten.
Flash ist der erste Mann, der dabei ist im Team, der wirklich will, der auch seinen eigenen Film bekam, ebenso auf Man of Steel beruhend, ein Man of Steel 1.5 in etwa, eine Variation dessen, nicht ohne Interesse, mit dem originalen Batman. Der Aufbau, die Rekrutierung nimmt hier durchaus seine Zeit in Anspruch, sie wird gut gefüllt, die Personen sind interessant genug, eine düstere Ausgabe der Avengers, viel in Nachtszenen, viel mit Kreaturen, mit fehlendem Vertrauen, mit zwischendurch Spektakelszenen, mit einer eigenen Kreativmannschaft, einer Dissonanz in der Gruppe, viele Individuen, alle anders gestrickt, alle anders zu dem geworden, was sie letztlich sind. Der Subplot mit der nordrussischen Reaktor-Einöde ist neu, eine Art Tschernobyl, ein A Quiet Place Verschnitt im Superheldenfilm, als Hauptquartier des Bösen, ein Ernähren in der Verbannung, ein Läutern für die Darkside, "Wie viele von euch gibt es?" - "Nicht genug.", Paradämone am Leben und am Streben, es geht in den Untergrund, es wird noch dunkler, mit einer riesigen Maschine sich durch die Erde gebohrt, bereit für den Kampf, gegen übernatürliche Wesen, gegen Kreaturen des Chaos, ein chaotisches Hin und Her, mit dem 'Nightcrawler" in den Krieg gezogen, Funken sprühen, viel mehr ist erstmal nicht zu sehen. Eine monströse Primitivität, immerhin in erster Mehrsamkeit und Gemeinsamkeit, eine Ergänzung der Stärken und ein Ausgleichen der Schwächen, dazu eine produktionstechnische Größe, voluminöse Innenbauten, ein Albtraum im Entstehen und im Geschehen, ein Geschehenlassen und Fördern dessen.
Affleck hier als Sprichwortgeber, Cavill ist lange außen vor, er wird oft erwähnt, er ist isoliert, "Technologie ist wie jede andere Macht, ohne Herz, ohne Verstand", Affleck als (traurig aussehender) Motivator, die Hälfte der Laufzeit bestimmt vergeht. Das kryptonische Schiff allein ist schon eine Extremität, das militärische Gelände drumherum, "Ach jetzt ist es erst verrückt?", ein Foto von Costner im Wasser versenkt. Eine Schlacht geführt, eine weitere beginnt, Metropolis bestehend nur aus einer Grabstätte und ein paar Polizeistreifen, sonst menschenleer, da gab es selbst in Man of Steel mehr Öffentlichkeit, mehr Realität, mehr von allem im Grunde, leider Gottes, das Ende dann in einem gruseligen Höllenpfuhl, komplett vor der Greenscreen, eine Nachtmahr mit Bomben und Transformationen, mit Explosionen und Mutationen. Dostojewski ist das nicht, Doswidanja schon.