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Wer über Jahre mit Make-up und Spezialeffekten an Sets tätig ist, dem könnte es irgendwann in den Fingern jucken, ein eigenes Werk auf die Beine zu stellen. Autor und Regisseur Patrick Magee sichtete in jungen Jahren „American Werewolf“ was ihn augenscheinlich sehr prägte, auch hinsichtlich seines Spielfilmdebüts.

Ashley holt ihren Mann Max vom Gefängnis ab, in dem er rund ein Jahr verbrachte. Auf dem Heimweg crasht etwas vor ihren Jeep, dann wird das Paar mit Steinen beworfen, woraufhin Max in die Fluten stürzt. Inmitten der Einöde müssen sich die beiden unberechenbaren Rednecks anschließen, doch die eigentliche Gefahr lauert nicht weit von ihnen…

Magee beherrscht seinen Job und lässt es sich bei seinem Debüt nicht nehmen, mit handgemachten Effekten und altmodisch anmutenden Kostümen zu arbeiten, was im Gegensatz zu vielen grottigen CGI eine echte Wohltat ist. So lässt er Bigfoot, laut indianischem Mythos auch Oh-Mah genannt, bereits nach kurzer Zeit seine beharrten Pranken ausfahren, etwas später ist er komplett zu sehen.

Ohnehin geht es in der ersten Viertelstunde recht turbulent zu, als Ashley und Max im reißenden Fluss landen und später auf die Hillbillys stoßen, die ihnen bereits an der Tanke eindeutige Gesten entgegen warfen. Einen weiteren Handlungsstrang bilden Sheriff nebst Indianer-Deputy, was im Zuge der Legende ein wenig Ureinwohner-Mystik ins Spiel bringt, wobei die Meditation in einem Zelt etwas zu ausgiebig ausfällt und kurze Anekdoten im Büro auch nicht mehr als abgedroschene Phrasen mit sich bringen.

Zwar kommen die meisten Figurenzeichnungen nicht über stereotype Erscheinungen hinaus, doch da es sich bei den Hinterwäldlern um ein paar Leute mehr handelt, bekommt der haarige Angreifer gut zu tun. Speziell im Mittelteil metzelt sich die Legende recht blutig durch die Truppe. Es gibt Pfeile durch den Hals, einen unsanft gebrochenen Kiefer, einen abgetrennten Schädel, ein gebrochenes Handgelenk, einen offenen Hals und einen geplätteten Kopf, was unterm Strich durchweg überzeugend in Szene gesetzt ist.

Der Look des Monsters ist zwar nicht gerade außergewöhnlich, doch mithilfe der sauberen Sounduntermalung und dem weitgehenden Verzicht auf einen vordergründig eingesetzten Score, kommt der animalische Aspekt gut zum Tragen. Zwar wird anfangs etwas zu häufig auf Beobachtungsperspektive gesetzt und bei Bewegungsszenen wackelt die Kamera einige Male, doch insgesamt kann sich das Werk sehen lassen, zumal das Timing zu überzeugen vermag und der eine oder andere spannende Moment für Kurzweil sorgt, mal abgesehen vom etwas überzogenen Auftritt einer hexenartigen Indianerin.

Wer es also ein wenig altmodischer mag und Survival im Freien bevorzugt, dürfte hier nicht komplett leer ausgehen. Die Laufzeit ist mit 106 Minuten zwar ein wenig zu üppig ausgefallen, doch langweilig wird die Chose zu keiner Zeit, wozu die Action nicht unerheblich beiträgt. Ein durchaus passables und vor allem blutiges Debüt mit brauchbaren Mimen und einem überzeugenden Angreifer.
6,5 von 10

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