Review

Der chilenische Autor und Regisseur Lucio A. Rojas widmet sich nach „Sendero“ erneut dem Terror und legt nochmal eine Schippe drauf. Das gefiel der FSK natürlich gar nicht und kürzte das Material um satte 12 Minuten, was dem Unterfangen folgerichtig die Intensität raubt.

Vier Freundinnen um Andrea wollen ein Wochenende in einem Ferienhaus verbringen, als Juan nebst Sohn im Haus auftaucht. Die Frauen werden vergewaltigt und gefoltert, kurz darauf treffen sie auf zwei unerfahrene Polizisten, die sich lieber aus der Angelegenheit heraushalten würden. Also nehmen die Damen die Zügel selbst in die Hand…

Rojas dürfte noch einige Nachwehen der chilenischen Diktatur mitbekommen haben, weshalb der Titel und sein Antagonist mit Auswirkungen jener Zeit in Verbindung gebracht werden.
Die Exposition (die in der geschnittenen Fassung um Minuten gekürzt wurde) bricht bereits einige Tabus und man will beinahe schon nicht mehr wissen, was den vier Mädels im Verlauf widerfahren könnte. Diese sind allerdings nur in Ansätzen sympathisch gezeichnet, denn eine entpuppt sich als lesbische Bitch, während eine andere zu überbehütend agiert.

Mit der Home Invasion der Fieslinge nimmt das übliche Rape & Revenge - Szenario seinen Lauf, wobei die Vergewaltigungen zwar nicht explizit, jedoch reichlich abartig in Szene gesetzt sind (ebenfalls nur uncut), wozu die durchweg glaubwürdigen Mimen nicht unerheblich beitragen. Auch die Kamera ist arbeitet recht versiert, was sich speziell in einer Szene bemerkbar macht, als ein Mädel in Anwesenheit der schlafenden Peiniger mit einer Waffe hantiert. Ebenfalls auf der Habenseite ist der Score zu verbuchen, der mit einigen dynamischen Beats und fein abgestimmten Synthieflächen daherkommt.

Storytechnisch betritt man alles andere als Neuland, Twists und Wendungen bleiben aus, die inszenatorische Dichte nimmt im finalen Akt allerdings zu, während ein etwas ausgiebiger Rückblick in die Siebziger veranschaulicht, wie aus dem unscheinbaren jungen Mann ein menschenverachtender Sadist werden konnte. Das geht zwar auf psychologischer Ebene wenig in die Tiefe, steht aber beispielhaft für eine Zeit, in der Folter im Land an der Tagesordnung war.

Mithilfe des weitgehend detailreich angewandten Make-ups sind die meisten Gewalteinlagen recht drastisch inszeniert. Ein Stück Wange wird heraus gebissen, ein Messer durch einen Schädel gerammt, eine Machete zerstückelt Hieb für Hieb und ein Kiefer wird ausgehebelt. Säure kommt mehrfach zum Einsatz und beim Kehlenschnitt wird direkt der halbe Hals aufgeschnitten. Einige Einstellungen zielen durchaus in Richtung Magengegend, weshalb der Stoff mancherorts nicht ganz zu Unrecht auf eine Stufe mit „Martyrs“ oder „A Serbian Film“ gestellt wird.

Dennoch sollte man den Streifen möglichst ungeschnitten sichten, da das titelgebende Trauma ansonsten nur in Ansätzen zur Geltung kommt und nicht, wie Autor und Regisseur Rojas es eben anvisiert hatte. Subtil geht natürlich anders und erzählerisch ist man weit von Innovationen entfernt, doch wer es kontrovers und provokant, düster und unbarmherzig mag, kommt um den kleinen Fiesling nicht herum.
6,5 von 10

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