Review

"Trauma" oder auch  "Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird! - The Movie"
Der Titel, welcher beim geneigten Horror-Fan unbeabsichtigterweise direkt Erinnerungsblitze an Dario Argentos gleichnamigen Serienkiller-Film von 1993 aufflackern lässt, hat leider, bis auf eine im Off stattfindende Enthauptung, recht wenig mit dem Können des italienischen Giallo-Maestros gemeinsam. Vielmehr handelt es sich bei dieser chilenischen Produktion um einen Rape-and-Revenge-Streifen, welcher lediglich mit ein paar Tabubrüchen aus dem Gros ähnlich gelagerter Produktionen herauszustechen versucht. 
Dabei fängt der Film doch recht vielversprechend an und man bekommt das geboten, womit man in einer solchen Produktion wohl kaum gerechnet hätte: eine solide Kameraführung, einen stimmigen Soundtrack und tatsächlich Darsteller, die sich anfangs noch so verhalten, dass man es nachvollziehen kann. 

Besonders nach extremen Negativ-Erfahrungen in dieser schmuddeligen Nische des Horror-Genres, die nicht selten aus Richtung Südamerika stammen, muss man festhalten, dass "Trauma" anfänglich positiv überraschen kann. Vor allem, wenn man sich vor Augen hält, wie unsagbar schlecht der vom gleichen Regisseur in die Welt erbrochene "Sendero", oder der hanebüchene, verwundernswerterweise sogar mit einem ebenso minderwertigen US-Remake geadelte "Hidden in the Woods" doch waren, um nur zwei weitere Produktionen aus Chile für einen Vergleich anzuführen. Es fällt dem Zuschauer also fast schon eine Steinmauer vom Herzen, dass hier zumindest spürbar mehr Enthusiasmus und vermutlich auch Geld vorhanden gewesen sein muss. 

Wenn sich dann nach wenigen Minuten die Kamera auch noch voll und ganz zwei der vier Hauptprotagonistinnen widmet, welche gerade sinnlich den Geschlechtsakt vollziehen und das Geschehen in technisch professioneller Manier festgehalten wird, dann darf man sich nicht nur an den zugegebenermaßen schönen Körpern erfreuen, sondern auch daran, dass hier offensichtlich Potential vorhanden ist, auf dessen Beibehaltung man zumindest hoffen kann.

Da es sich hier jedoch um keinen Kunstfilm, sondern einen beinharten Horror-Thriller handelt, sind solche Prognosen bzw. Hoffnungen natürlich mit Vorsicht zu genießen. Besonders dann, wenn der eigentliche Prolog, der diesem Liebesspiel vorausging, zeigt, in welche Marschrichtung der Film gehen wird. 
Auch hier macht sich technisch zwar auch eine routinierte Inszenierung bemerkbar, rückt allerdings bei aller gezeigten Gewalt und allem Sadismus ein wenig in den Hintergrund. Was allerdings dafür ans Tageslicht rückt, ist die Tatsache, dass das Geschehen mit Logik und Verstand nicht wirklich in Einklang zu bringen ist. Es wird schon in den ersten Minuten deutlich, dass Grenzen überschritten werden sollen, aber leider wirkt der Versuch so plump und plakativ, dass man sich eher darüber amüsieren kann bzw. vor lauter Kopfschütteln gar nicht dazu kommt, schockiert zu sein. 
So wird man nach einem schwammigen, viel zu übertriebenen, aber dennoch hart anzusehenden Prolog in eine edel gefilmte und stimmig inszenierte Rahmenhandlung eingeleitet. Bis zu diesem Zeitpunkt konnte man mit so gut wie allem rechnen; nur nicht mit Überraschungen. Dass diese sich dennoch einstellen und keineswegs positiv sein sollten, besiegelt leider nur den Gesamteindruck der Produktion, welcher ab Auftauchen der Peiniger quasi minütlich absackt. 

Nach Ansicht des Filmes sitzt man fassungslos da und fragt sich, was soeben passiert sein muss. Hat es einen abrupten Regiewechsel gegeben? Einen solchen inkonsistenten Fortgang der Geschichte habe ich zumindest selten erlebt. Die Einführung der Charaktere in ihre Rollen sowie deren Ankunft an den Ort ihrer Pein bzw. an dem Domizil, in welchem die Damen einen gemeinsamen Urlaub genießen möchten, mag noch genretypisch brauchbar in Szene gesetzt worden sein, aber spätestens seit dem unvermittelten Auftauchen der beiden psychisch arg in Mitleidenschaft gezogenen Sadisten, welche hier als Folterer agieren, dreht sich das Blatt und der Film verkommt nach und nach dem Wahnwitz eines im höchsten Maße untalentierten Drehbuchschreibers. 

So reiht sich zwischen all den, in epischer Länge zelebrierten Vergewaltugungs-, Erniedrigungs- und Misshandlungs-Vorgängen, welche definitiv hart und unerbittlich dargestellt werden, eine Logiklücke an die nächste und das Verhalten von Tätern, Opfern und später auch Nebendarstellern gipfelt schnell in lächerlicher Dummheit. Die Härte, welche erreicht werden will und welche unmissverständlich schockieren möchte, bremst sich durch den allgegenwärtigen Schwachsinn der Geschichte leider selbst massiv aus und verkommt lediglich zum knüppelharten Beiwerk. So ist auch plötzlich von passablen Leistungen nicht mehr die Spur zu sehen und höchstens in den Folter-Szenen kommt noch etwas Intensität zum Ausdruck. 

Die Effekte spielen ab Beginn des Folter-Reigens also die Hauptrolle und dies wäre an sich kein größeres Problem für eine solche Produktion, wenn, ja, wenn diese auch durchgängig gut gemacht und gefilmt worden wären. Leider mischen sich unter die wirklich hervorragend gemachten Handmade-FX diverse CGI-Spritzer und -Einschüsse, welche in mindestens gleicher Art und weise dilettantisch wirken, wie das Verhalten der menschlichen Protagonisten. Vielmehr kann man sagen, dass die Effekte bzw. Härten in der direkten Ausführung größtenteils mangelhaft aussehen, im gezeigten Ergebnis dafür aber überraschend getrickst sind. Ebenso störend fällt hierbei die teils sprunghafte Kameraführung in Verbindung mit einem arg abgehackten Schnitt aus; mancher Gewaltausbruch wird so nur halbherzig eingefangen und fast schon kaschiert, damit kurz darauf das Ergebnis wieder Onscreen und in voller Pracht gezeigt werden kann. 
Dennoch klingt dieses Urteil ggf. härter, als es eigentlich sein soll, denn die Effekte sind es, die diesen Film vor dem völligen Untergang bewahren.

Die letzte halbe Stunde des Filmes gehört zu dem inszenatorisch schlimmsten Unsinn, der je auf die Leinwand gebracht worden ist und man kann sich nur erneut an den Kopf fassen, wenn man erdulden muss, wie sich die komplette Darsteller-Riege in punkto unsäglicher Dummheit einfach nur gegenseitig zu übertreffen versucht; hier wird sämtliche Nachvollziehbarkeit sowie jegliche Logik so dermaßen missachtet, dass selbst dem in dieser Hinsicht tolerantesten Filmfreund die Kinnlade heruntersausen sollte. Immerhin wird dieser inhaltliche Schlaganfall durch die bereits erwähnte Vielzahl an eingestreuten, meist gut realisierten Effekte einigermaßen abgemildert. 

So bleibt am Ende ein Film, in dem nichts, aber auch gar nichts in Erinnerung bleibt, bis auf zwei wesentliche Punkte: eine nicht zu verachtende Härte, sowie ein alles überschattender Schwachsinn innerhalb der Handlung. Alles andere bleibt farblos und plätschert belanglos vor sich hin, was absolut konträr zum stark anmutenden Anfang steht.

Zu erwähnen bleibt sicher noch die Tatsache, dass der Film sich quasi in Tabubrüchen suhlt: es werden Vergewaltigungen vollzogen, Menschen gefoltert, ein Kind/Junge vergewaltigt seine Mutter, ein Baby wird Offscreen missbraucht, es werden medizinisch nicht wirklich akkurate Abtreibungen vorgenommen, Kannibalismus spielt auch eine Rolle und überhaupt wird fast ausnahmslos alles getötet, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Die Macher hatten so, ähnlich wie "A Serbian Film", welcher ausdrücklich Pate gestanden haben dürfte, sicher auch die Absicht, hier einen Skandal zu forcieren. Damit das ganze nicht allzu plump wirkt, bemüht man sich halbherzig, der Geschichte eine politische Motivation und damit einen Hintergrund anzudichten, was allerdings im Kontext der Geschichte so übertrieben aufgesetzt und heuchlerisch wirkt, dass es sich nahtlos an den Rest des verunglückten Konstrukts anfügt. War beim serbischen Skandal-Film die Intention der Macher zwar auch mehr als fragwürdig und ging es schon hier mehr um Exploitation, als um das Aufklären über politische Missstände in der Vergangenheit, so konnte dieses Werk immerhin durch eine dichte Atmosphäre und eine solide Geschichte punkte; hier entgleitet dieser Ansatz völlig und der fertige Film mutiert zu einem seelen- wie hirnlosen Folter-Karneval, der zwar Härten am Fließband auffahren kann und dadurch für Splatter-Freaks durchaus interessant sein könnte, aber auf inhaltlicher Ebene vollends versagt.
Den Vorschuss-Lorbeeren, die den Film als Extremerfahrung deklarieren, wird das Endprodukt leider zu keiner Zeit gerecht und so bleibt ein extrem enttäuschender Film zurück, der zwar viel will und dafür auch die volle Palette an Perversion und Blutzoll auffährt, damit aber höchstens die Richter beeindrucken kann, die den Streifen nach etwaiger Indizierung auf Listenteil B sicher mit Kusshand nach §131 StGB wegen Gewaltverherrlichung bundesweit beschlagnahmen. 
Wäre "Trauma" nicht so traumatisierend dämlich, so wäre sicher eine Wertung im mittleren Segment möglich, aber so bleibt der Film als Ganzes schlichtweg ungenießbar. Es ist mehr als schade, so viel Potential mit einer solch grauenvollen Inszenierung zunichte gemacht wird. Hier wäre deutlich mehr drin gewesen! 02/10

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