Review

A Chilean Film


Heutzutage zu schocken und sich zu einem kleinen Skandal zu entwickeln, scheint viel schwerer als vor Jahrzehnten. Doch alle paar Jahre beißt sich dann doch ein fieses Werk durch, das die Grenzen nochmal auslotet oder gar verschiebt, das die Augen der abgestumpftesten Gorehunde funkeln lässt (und ihre Portemonnaies durch teure Importe und Mediabooks fast noch mehr), das den (zum Glück) milde gewordenen Sittenwächtern bei der FSK und SPIO endlich mal wieder was zu tun und zu staunen und zu lamentieren und zu verbieten gibt. Die menschlichen Tausendfüssler oder „A Serbian Film“ waren solche berühmten Bretter aus jüngerer Vergangenheit, die Wellen in diese berüchtigte Richtung schlagen konnten, fast wie einst ein „Cannibal Holocaust“, „Salo“ oder „A Clockwork Orange“. Und nun kommt aus Chile also „Trauma“, der sich überdeutlich am beliebten Serben orientiert, eigentlich auch nur billigen Backwoodtortureterror abliefert und die Geschichte von vier Frauen erzählt, die auf Durchreise im chilenischen Hinterland von zwei fiesen Kriegsveteranen auf ekelhafteste Weise missbraucht und gepeinigt werden. Wer ist das wahre Chile? Und sind Seele und Sex, Zukunft und Vergangenheit, Liebe und Hass des Landes wirklich derart aufs Kriegsfuß bzw. dunkel? Ist da noch mehr als nur Gewalt, Ekel und Perversion? Und noch wichtiger für uns: kann der brutale Schocker mit dem (nicht nur von mir extrem geschätzten) osteuropäischen „Vorbild“ mithalten? 

„Trauma“ ist ein (meist positiv gemeint) wirklich fieser Film. In Sachen Gore, Tabus und Körperflüssigkeiten kennt er kaum Grenzen, kann er sich sehen lassen, macht seinen Zielen und Vorbildern alle Ehre. Selbst wenn man oft das Gefühl hat, dass er sich nur an denen abarbeitet und diese (im besten Fall, zumindest in dieser Disziplin) toppen will, hinterlässt das definitiv ein mulmiges Gefühl im Magen und hält einen bei der Stange. Die niederschmetternden Effekte sind gut bis klasse, die zwei Bösewichte wirklich ohne Limit degeneriert und teuflisch, der Style ist passend grau, trost- und hoffnungslos, die Verbindung zur chilenischen Seele und kriegerischen Vergangenheit scheint simpel und logisch. Und doch bleibt am Ende noch ärgerlich viel Luft nach oben. Außer soliden Schockspesen nicht viel gewesen. Da hat Herr Rojas noch einiges zu tun, um wirklich und zurecht und auf einem ganz anderen Level von sich reden zu machen. Ich hoffe nicht, dass das schon sein Magnus Opum war. „Trauma“ ist ein dreckiges Mitternachtsbiest, nichts, was man sich mit seiner Mutter anguckt und irgendwo schon ein klarer Wachhalter. Außerdem hat sogar der Soundtrack seine trashig-poppigen Synthiemomente. Seine ungeschliffenen Kanten und Fehler (wie eine deutlich zu lange Laufzeit, sein zu einfacher, schon zu oft gesehener Ansatz, ein zu „glattes“ Bild, schwache Darsteller, „nicht viel dahinter“) passen irgendwie zu ihm und seinem simplen, „bösen“ Gemüt. Doch ich werde einfach das Gefühl nicht los, dass hier noch mehr drin gewesen wäre und man einfach um jeden Preis „A Chilean Film“ machen wollte... 

Fazit: all shock, no quality? „Trauma“ ist schon ziemlich fies, böse und erbarmungslos, wird seinem Namen fast gerecht. Selbst wenn man schon einiges gesehen hat. Wem es nur um Tabubrüche und Gore geht, der mag hier auf ein neues dreckiges Goldstück aus Südamerika gestoßen sein. Allen anderen und jedem, dem das allein nicht reicht: einmal gucken und die leichte Enttäuschung, Wut, Ratlosigkeit runterschlucken... „Trauma“ spielt in jeder Beziehung, außer seiner rohen Brutalität, zwei Ligen unter dem serbischen „Vorbild“ bzw. Konkurrenten. Anders kann man es nicht sagen. 

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