Review

Vier junge Damen suchen eine einsame Hütte im Wald auf, um dort eine ausgiebige Partynacht zu verbringen. Leider haben sie die Rechnung ohne einen schwer traumatisierten Gewalttäter und seine nicht weniger gestörte Sippe gemacht, die nichts Gutes im Schilde führen.

Aus dem idyllischen Serbien geht es nun in das weit entlegene, malerische Chile – so zumindest der Konsens. Wo „a Serbian Film“ Sexualität und Gewalt zu scheinbar ungeahnten neuen Höhen verbinden konnte, sollte „Trauma“ erst so richtig loslegen. Auf den ersten Blick wirkt das Rezept wahrlich ähnlich. Ein fremdes, als geschichtlich turbulent wahrgenommenes Land bietet das Setting, Sex und Gewalt treten im Doppelpack auf und irgendwo werden Kriege und Konflikte allegorisch einbezogen, sagt man zumindest.

Die Charaktere sind austauschbar und die Handlung zwar relativ zügig erzählt, andererseits aber auch im letzten Drittel ein wenig kraftlos und verworren. Dennoch hat man hier in den letzten Jahren deutlich schlechtere Versuche gesehen, die altbewährte Formel anzuwenden – hier kann man nicht meckern. Ebenso gibt es ein freudiges Wiedersehen mit den Home Invasion und Backwoods Tropen, die man über die Jahre hat kennen und lieben lernen.

Was Härte angeht, bewegt man sich Mittelmaß. Die vielen Tabubrüche, die viele Genrefreunde freudigst zu konstatieren wussten, konnte dieser Reviewer nicht wirklich erkennen. Eine gewisse Bösartigkeit und Biestigkeit kann man „Trauma“ natürlich nicht absprechen, aber in der Oberliga kann der Chilene sicherlich nicht mitspielen. Gerade was die Sexualität angeht, gibt man sich stellenweise ein wenig freizügiger, nur um sich dann wieder in sicherere Gefilde zurückzuziehen. Hier hätte man eher den Weg ganz gehen oder auf andere Qualitäten wie Handlung Wert legen sollen – so wie es sich jetzt gestaltet, wirkt es eher halbgar.

Die Ungereimtheiten hören hier jedoch nicht auf. Die Hintergrundgeschichte der Familie wirkt anfangs vielversprechend, später eher diffus und undefiniert. Ein angenehm negativ aufgelandener Anfang wurde auch hier einfach nicht vollumfänglich genutzt. Neben den schlichtweg deplatziert wirkenden Kriegsszenarien tritt ein weiteres, ungleich größeres Problem zu Tage: der erfahrene Zuschauer bekommt das Gefühl, dass die Macher von „Trauma“ auf Biegen und Brechen den Käufer anekeln und provozieren wollten, ohne dass sie hierbei über genügend Substanz oder Mut verfügt hätten. Hier haben die Serben weitaus bessere Arbeit leisten können.

Das soll natürlich nicht heißen, dass der Film schlecht ist. Mit „Trauma“ kann man letztendlich doch seinen Spaß haben und trotz einer Fülle an Kritikpunkten kann man sich mit einer einmaligen Sichtung sicherlich ganz passabel die Zeit vertreiben, gerade weil man sich stellenweise doch freigiebiger als gewohnt gibt. Man muss sich halt damit anfreunden, dass es sich beim „Chilenian Film“ eigentlich um einen relativ normalen Horrorschinken mit einigen harten Einlagen handelt – nicht mehr und nicht weniger.

Fazit: Solider, relativ unterhaltsamer Genrebeitrag, der aber zu sehr probiert, krank und hart zu sein, ohne über den nötigen Mumm zu verfügen. Manche Passagen sind relativ ergreifend ausgefallen, gerade was die Untaten am Anfang und in der Mitte des Filmes angeht, andere wirken kraftlos und – im negativen Sinne - abschreckend. Einer einmaligen Sichtung steht allerdings nicht im Wege.

6,5 (hier abgewertet)







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