Filme über Behinderte sind oftmals ein zweischneidiges Schwert, denn speziell in Hollywood gerät so ein Projekt rasch zur Mitleid schürenden Pathosnummer, - und genau das hilft den Betroffenen am wenigsten. Wesentlich entspannter geht der ungarische Autor und Regisseur Attila Till mit dem Gedanken um und bastelt aus der frischen Prämisse eine recht spezielle Milieustudie.
Zolika (Zoltán Fenyvesi) ist zwanzig Jahre alt und seit Geburt an den Rollstuhl gefesselt. Im Heim für Behinderte tüfteln er und sein Kumpel Barba (Ádám Fekete) an Comiczeichnungen, als sie den ebenfalls im Rolli sitzenden Rupaszov (Szabolcs Thuróczy) treffen, der, frisch aus der Haft entlassen, Bekanntschaft mit der örtlichen Mafia macht und sich als Auftragskiller vorstellt. Kurzerhand werden Zolika und Barba zu Rupaszovs Komplizen, was dem Mafiaboss gar nicht gefällt…
Die Kernidee ist einfach und gleichzeitig genial, denn wer würde hinter einem harmlos, vielleicht ein wenig verwegen aussehenden Rollifahrer einen Auftragskiller vermuten? Insofern spielt Regisseur Till sehr geschickt mit einigen Vorurteilen, als Rupaszov an einem entlegenen Treffpunkt vier düsteren Gestalten begegnet, die den Gehandicapten gar nicht ernst nehmen, was prompt mit einer schnellen Entladung der Waffe quittiert wird.
Sonderlich reißerisch geht es im Verlauf nicht zu, obgleich diverse Schusswechsel an einen frühen Tarantino erinnern und nicht mit Filmblut gegeizt wird. Vielmehr geht es um eine ungewöhnliche Freundschaft zweier Menschen, die des Lebens eigentlich überdrüssig sind, jedoch noch einmal ihre kollektive Kraft zusammenlegen und sich dabei wunderbar ergänzen.
Das funktioniert deshalb so hervorragend, weil es sich bei Fenyvesi und Fekete um echte Behinderte handelt, die im Grunde nur sich selbst spielen müssen und dies mit sichtlicher Spielfreude und einigem Körpereinsatz absolvieren. Bei Thuróczy hingegen macht die Motorik in einigen Szenen mehr als sie sollte und auch die Obersschenkelmuskulatur ist für drei Jahre anhaltende Querschnittslähmung deutlich zu ausgeprägt. Dennoch nimmt man ihm den vom Leben gezeichneten Ex-Feuerwehrmann über weite Teile ab.
Leider driftet die Erzählung zuweilen in unnötige Nebenhandlungsstränge ab, wie bei einer Hochzeit, auf der Rupaszov noch einmal vergeblich um die Braut buhlt oder bei einem Date mit drei Damen, bei dem sich rein gar nichts Relevantes ereignet. Phasenweise wirkt das Unterfangen ein wenig ziellos, nicht immer trifft der eingestreute Humor ins Schwarze und der Twist zum Finale ist relativ früh absehbar.
Dennoch ein erfrischender Streifen, der sein Herz auf dem rechten Fleck trägt, mit einem ungewöhnlichen Trio im Fokus punktet und mit einer versierten Kamera aufwartet, welche immer auf Höhe des Rollis hantiert und dabei fast wie im Vorbeigehen Erschwernisse wie Steigungen, Kanten oder enge Passagen einfängt. Einige Comiczeichnungen, die oftmals einen fließenden Übergang zur Realität darstellen, sind ebenso gelungen wie das Zusammenspiel der Mimen, die sich nicht für ein wenig Situationskomik zu schade sind und dabei untermauern, dass Behinderte nicht weniger normal oder ausgeflippt sind wie gesunde Menschen.
7,5 von 10