Im Bereich des Monsterfilms stand der Yeti schon einige Male im Fokus des Interesses, was für jüngere Betrachter nicht unbedingt die beste Wahl darstellt, um ein sagenumwobenes Wesen kennen zu lernen. Folgerichtig bietet sich ein familientauglicher Animationsfilm der Regisseure Pierre Greco und Nancy Florence Savard an, dem Schneewesen auf spielerische Art ein wenig näher zu kommen.
Anthropologe Simon erhält drei Monate Zeit, seine Überzeugung von der Existenz der Yetis mit Beweisen zu belegen. Unterstützt wird er von der aufstrebenden Detektivin Nelly. Gemeinsam reisen sie nach Nepal, um mithilfe des Einheimischen Tensing im Himalaja nach Spuren zu suchen. Doch eine Bruchlandung im Eis erleichtert das Projekt nicht gerade…
Wer mit der Optik großer Produktionsschmieden wie Dreamworks oder Pixar vertraut ist, wird in Sachen Animation deutliche Abstriche machen müssen. Die Figuren sind zwar markant, jedoch nicht sonderlich detailverliebt ausgearbeitet, noch deutlicher werden die technischen Mankos bei Landschaftsaufnahmen. So ist eine Überfahrt eher im Zeichentrickstil realisiert worden und auch die Gipfellandschaft lässt natürliche Details vermissen. Während 3D mittlerweile Standard sein sollte, erscheinen hier einige Momente geradezu eindimensional.
Die Geschichte nimmt indes früh Fahrt auf, verweilt nur für die Eckdaten in Quebec anno 1956, um kurz darauf zum Abenteuer in Nepal zu schreiten.
Das Trio wird bereichert von einem sprechenden Maina, der in regelmäßigen Abständen seinen Senf dazu gibt („Sind wir schon da?“) und stets munter von Figur zu Figur flattert.
Während Simon eher der Ängstliche ist, geht Nelly meist forsch zur Tat, wogegen Tensing stets in sich zu ruhen scheint, was die Truppe recht ausgewogen erscheinen lässt.
Inhaltlich begibt man sich auf sprichwörtlich dünnes Eis, wobei das letzte Drittel auf einen naturbezogenen Aspekt eingeht, welcher ein wenig Trubel ins Spiel bringt.
Es gibt einige Rutschpartien, auch Berggeister schauen kurz vorbei, man bricht in eine Höhle ein und muss Felsschlägen ausweichen, während sich das Volk der Yetis als eines mit merkwürdigem Humor entpuppt und für kleine humoristische Höhepunkte sorgt.
Ohnehin sind es die regelmäßigen Einschübe von Situationskomik, die das Geschehen gut bei Laune halten. Ob es nun die scharfen Peperoni als einzige Überlebensration sind oder einige Zeckentfremdungen eines gefundenen Tagebuchs und nicht zuletzt ein bewusst klischeebeladener Asia-Song, der noch während des Abspanns für ein anhaltendes Grinsen sorgt.
Insofern lässt der ordentliche Unterhaltungswert einige Defizite in Sachen Animation in den Hintergrund treten, zumal auch Erwachsene ihren Spaß haben dürften. Eine FSK6 ist dennoch sinnvoll, da einige Szenen mit den Yetis und das Bergen einer gefrorenen Leiche eventuell nicht für die ganz Kleinen geeignet sind. Ansonsten ein gefälliges Schneeabenteuer ohne sonderliche Überraschungen, jedoch mit viel Witz und ordentlichem Tempo ausgestattet.
7 von 10