Review

Dagobert Buck


Ridley Scott ist und bleibt eine Regielegende und hat ein paar meiner (und wahrscheinlich unser aller) All-Time-Lieblinge geschaffen. Das ist in Stein gemeißelt und das kann er jetzt im hohen Alter auch nicht mehr plump mit dem Hintern einreißen. Egal wie sehr er sich dabei auch anstrengt - ich sage nur „Alien Covenant“. Doch einen wirklich meisterhaften Film hat er eben meiner Meinung nach auch schon kleine Ewigkeiten nicht mehr abgeliefert. Er ist mittlerweile maximal Hit-or-Miss, auf jeden „American Gangster“ folgt ein „Exodus“. „All The Money In The World“, basierend auf der unfassbaren Kidnapstory in den letzten Tagen eines der reichsten Männer, die Amerika je gesehen hat, würde ich allerdings schon zu den besseren seiner neuerlichen Ergüsse (etwa seit „Gladiator“ und „Black Hawk Down“) zählen. Wenn auch beileibe nicht Spitzenklasse oder fehlerfrei. 

Die reale Geschichte muss man nicht großartig ausschmücken, sie ist grandios und spannend und sprachlos machend genug. Sie bietet mit dem alten, geizigen und sehr eigenen Getty eine faszinierende Persönlichkeit mit metaphorischer Gültigkeit. Dazu ist „All The Money In The World“ meist hübsch anzusehen und mit Stars wie Plummer (RIP, hier kurzfristig und megabeeindruckend für Spacey eingesprungen!), Wahlberg und Michelle Williams bockstark besetzt. Ob er die Zwei-Stunden-Grenze hätte unbedingt sprengen müssen, bleibt fraglich, wirklich bleibende Höhepunkte sind rar und in seiner Sprunghaftigkeit merkt man die vielen Hürden in seiner Produktionszeit doch. Allgemein ist „All The Money In The World“ allerdings ein packendes Geständnis und eine ambivalente Anklage in Sachen Geld, Gier und unterdrückter Gefühle. Ein Epos, das viele Hindernisse und Felsen überwinden musste, Gutes aus seinen Möglichkeiten und der Situation macht. Kann man sich mal geben. 

Fazit: stilvolles und spannendes Psychogramm eines der größten Auswüchse, die der Kapitalismus bisher hervorgebracht hat. Nicht Scott in klassischer Höchstform, aber weit weg von Enttäuschungen der letzten Jahre. Sehenswertes, intimes Epos. 

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