Review

Wer mit Walkman und Zauberwürfel groß geworden ist, dürfte sich noch an das Spiel „Galgenmännchen“ erinnern, welches in aufgeblähter Form zum „Glücksrad“ wurde.
Dabei gilt es, in zehn bis fünfzehn Versuchen ein Wort zu erraten, bevor das Männchen am Galgen bei jedem falschen Rateversuch um jeweils einen Strich komplettiert wird.
Eine simple und gleichermaßen einladende Prämisse für einen Serienkiller-Thriller.

Der ehemalige Detective Ray Archer (Al Pacino) wird aus dem Ruhestand geholt, da am Tatort eines Mordes nicht nur seine Dienstausweisnummer, sondern auch die des ermittelnden Cops Will Ruiney (Karl Urban) gefunden wurde. Gemeinsam mit der Reporterin Christi (Brittany Snow) heften sie sich an die Versen eines Serienkillers, der jeden Tag tödlich zuschlägt und dabei einen Buchstaben mehr hinterlässt…

Mehr als deutlich wurden die Macher um Regisseur Johnny Martin von Finchers „Sieben“ inspiriert und tatsächlich könnte das Werk bis auf Kleinigkeiten aus den Neunzigern stammen. Einerseits angenehm old school, andererseits hinkt er seiner Zeit weit hinterher, denn auf optischer Ebene müssen es ein paar düstere Lokalitäten richten, die in dunkelblauer Farbgebung das Morbide symbolisieren, während lediglich die Verfolgung eines Motorradfahrers die reine Action abdeckt.

Nach einer etwas ungelenken Einleitung, welcher im Verlauf noch die Note des arg Konstruierten mitschwingt, gestalten sich diverse Tatortbegehungen und Ergebnisse bei der Autopsie noch einigermaßen interessant. Doch nach einer Weile fallen den Ermittlern über Umwege Beweise und Indizien in die Hände, die teilweise nicht ganz nachvollziehbar sind, wodurch dem Treiben einige paar Logiklücken, später auch Unwahrscheinlichkeiten anhaften.

Die flotte und gleichermaßen schnörkellose Erzählweise kaschiert dies ein wenig, doch anderweitig vermögen die schwach ausgearbeiteten Figuren zu wenig Interesse zu erwecken.
Die Funktion der Reporterin ist bis auf wenige Szenen komplett nichtig, ein angedeutetes Trauma bleibt emotional zu sehr im Hintergrund und die meisten Dialoge zeugen von Oberflächlichkeit und sind bestenfalls als zweckdienlich zu bezeichnen. Da hätte man dem Pacino ruhig ein paar coole Oneliner unterjubeln können.

Dieser wertet das Treiben allein durch seine Präsenz ein wenig auf, wobei reine Spielfreude anders aussieht. Ähnlich sieht es bei Urban aus, dessen Spiel ein wenig müde wirkt, obgleich sein verbitterter Cop deutlich mehr zuließe. Snow holt noch relativ viel aus ihrer passiven Figur heraus, während Nebendarsteller wie Sarah Shahi oder Steve Coulter nicht über Mittelmaß hinaus kommen.

Das trifft auf den gesamten Streifen zu, der sich im ersten Drittel noch einigermaßen spannend und düster gestaltet, aufgrund von beliebig anmutenden Fakten und einigen konstruiert wirkenden Zusammenhängen jedoch merklich nachlässt, bevor es beim Showdown zu einer Auflösung kommt, die zahlreiche Genreklischees bemüht und alles andere als innovativ erscheint.
„Hangman“ hat zwar seine Momente, doch die fallen nicht markant genug aus, um einen nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen, - weder im Positiven, noch im Negativen.
5 von 10

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