Detective Ruiney (Karl Urban) hat seit Neuestem ungewöhnliche Begleitung in Form der Reporterin Christi Davies (Brittany Snow), die mit dem Sanktus des obersten Dienstherren für eine Reportage über den Polizisten-Alltag recherchiert. Schon beim ersten Mordfall entdeckt die recht eigenständig vorgehende Journalistin Spuren, die der überlastet wirkende Ruiney übersehen hat: Der Mörder hat nicht nur an der erhängten Toten, sondern auch an deren Arbeitsplatz Hinweise hinterlassen - neben dem titelgebenden bekannten Strichmännchen-Spiel Hangman auch die Dienstnummern von Ruiney und seinem gerade pensionierten Kollegen Ray Archer (Al Pacino). Letzterer ist trotz seines Ruhestandes immer noch eine gewiefte Spürnase, und da sich kurz danach ein weiterer Mord nach ähnlichem Schema ereignet, sind die drei fortan als Trio unterwegs. Der Mörder, der stets Hinweise hinterläßt, scheint ein Spielchen spielen zu wollen...
Hangman - The Killing Game orientiert sich leider in vielerlei Hinsicht an David Finchers 1995er Klassiker Se7en, erreicht aber nicht einmal ansatzweise dessen Intensität und Dichte. Das liegt zunächst einmal an den Charaktären, die für einen spannenden Thriller eher weniger geeignet scheinen: speziell Ruiney wirkt ständig übermüdet und ausgebrannt, ist durch den Mord an seiner Frau im Jahr zuvor noch immer traumatisiert und kann den Rätseln kaum folgen; dafür ist die Reporterin Christi umso wacher, nimmt sich aber erstaunlich viel heraus (Tatorte begehen, den Mörder ohne Eigenschutz verfolgen, Ermittlungsakten einsehen etc.) und wirkt dadurch, daß sie von Beginn an wie eine "Beamtin ohne Waffe" auftritt, streckenweise unglaubwürdig. Der Dritte im Bunde, Al Pacino, tritt mehr als graue Eminenz auf und kommentiert das Geschehen mit teilweise markigen Sprüchen - er hat zwar gewohnt starke Momente, ist aber nur einer von drei Ermittlern. Dieses ungleiche Team, über deren private Hintergründe man nicht allzuviel erfährt, wird dann und wann von der Dienststellenleiterin zurückgepfiffen (einer Dame im Rollstuhl, was immerhin einen interessanten Einfall darstellt), und tastet sich langsam von Tatort zu Tatort an den geheimnisvollen Mörder heran.
Und hier liegt der nächste Schwachpunkt des Films, der von Mordszene zu Mordszene springt, dabei aber fast sämtliche notwendigen Zwischenschritte ausspart - die muß sich der erwartungsvolle Zuschauer selbst dazudenken. Zwischendurch geht dann auch manchmal die Logik flöten, wenn beispielsweise ein tiefgefrorener Leichnam angeblich eine Woche zum Auftauen braucht, um eine DNA-Probe entnehmen zu können, wenn ein Motorradfahrer trotz Alarmfahndung locker entwischen kann oder die Tatorte nicht großflächig abgesperrt und durchsucht werden, trotzdem klar ist, daß sich der Mörder anscheinend immer in der Nähe aufhält. Auch daß die teilweise nicht sonderlich logischen Hinweise sämtlichst schnell und präzise gefunden werden, trägt nicht zur Glaubwürdigkeit des Plots bei ("Er war schon vorher nass - wir müssen im Fluß suchen" - Schnitt: Autowrack wird aus dem Fluß geborgen, es ist natürlich das richtige Wrack und beinhaltet auch gleich die nächste Spur etc.) und lassen nur eine mäßige Spannung aufkommen, da spätestens ab Mitte des Streifens jedem Thriller-Freund sonnenklar ist daß der Täter nach eineinhalb Stunden in einem Grande Finale gefasst wird - zudem ist das sich mit jedem Mord vervollständigende Hangmann-Wort(spiel) von niemandem zu erraten. Die größte Enttäuschung freilich ist der sich am Ende offenbarende Mörder bzw. dessen vollkommen hanebüchenes Motiv, das an Banalität kaum zu überbieten ist.
Fazit: Netter Mitrate-Krimi auf TV-Niveau, der trotz eines gut aufgelegten Al Pacino (mit allerdings zu wenig Screentime) viel zu wenig aus der eigentlichen Story macht und drehbuchtechnisch mit zunehmender Dauer von einem Logikloch ins nächste tappt. Keine Schauwerte (trotz der blutigen Thematik kaum explizite Szenen), kaum Action (die kurze Motorrad-Verfolgung endet lächerlich) und nur sehr wenige eigenständige Ideen - da bleibt einfach nichts hängen. 3,51 Punkte.